16.09.2026

Gebrauchtes E-Bike kaufen: Darauf kommt es an

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Berlin (ACE) – Die Sommerferien sind bundesweit vorbei, für viele Pendlerinnen und Pendler gehört der regelmäßige Arbeitsweg damit wieder zum Alltag. Für den Weg zur Arbeit eignet sich häufig auch ein E-Bike. Wer über den Kauf eines gebrauchten Modells nachdenkt, sollte jedoch genau hinsehen: Ein Pedelec mit einem Vorbesitzer oder einer Vorbesitzerin sollte gut in Schuss sein, damit nach dem Kauf keine unerwarteten Kosten entstehen. Der ACE Auto Club Europa erklärt, worauf Käuferinnen und Käufer beim Gebrauchtkauf achten sollten.

 

Den richtigen Fahrradtyp finden

Wie beim Kauf eines normalen Fahrrads stehen die eigenen Bedürfnisse im Vordergrund. Entscheidend ist, welcher Fahrradtyp zum jeweiligen Einsatzzweck passt. Im Stadtverkehr genügt oft ein E-City-Bike mit sieben Gängen, Körbchen und kleinem Akku. Für ambitionierte Pendlerinnen und Pendler ist unter Umständen ein E-Trekkingrad mit robusterem Gepäckträger, größerer Übersetzungsbandbreite und mehr Wattstunden in der Batterie die bessere Wahl. Besonders viel Motordrehmoment kann bei Lastenrädern oder E-Mountainbikes mehr Sinn ergeben. Der Begriff „E-Bike“ ist dabei der Oberbegriff für elektrisch motorisierte Zweiräder. Wer heute E-Bike sagt, meint meist ein Pedelec, dessen Motor mit maximal 250 Watt Nenndauerleistung bis 25 km/h nur unterstützt, und das weder Führerschein noch Versicherungskennzeichen erfordert.

 

Eine Probefahrt machen

Um herauszufinden, ob man bequem sitzt, die Rahmengeometrie zu Körperbau und -größe passt und sich Lenker und Sattel passend einstellen lassen, empfiehlt es sich, das Pedelec selbst auszuprobieren. Aber auch weitere Aspekte sprechen für eine Probefahrt: Ketten, Ritzel, Bremsbeläge und Reifen verschleißen bei einem Pedelec schneller und sollten deshalb genau geprüft werden. Für den Check der Kette eignet sich dabei eine Kettenverschleißlehre. Ob die Gänge sauber schalten oder die Federgabel geschmeidig eintaucht, sollte neben der allgemeinen Sichtprüfung ebenfalls überprüft werden. Wer auch einmal mit ausgeschaltetem Motor fährt, erkennt besser, wenn Lager schwergängig sind, Bremsen schleifen oder der Freilauf unrund ist. Handelt es sich um ein Modell mit Konnektivitätsfunktionen, sollte zudem geklärt werden, ob das Fahrrad noch mit dem Konto der Vorbesitzerin oder des Vorbesitzers verbunden ist, Diebstahlschutz- oder Ortungsfunktionen zurückgesetzt sind, noch eine Motor- oder Akku-Sperre aktiviert ist und Firmware-Updates möglich sind.

 

Motor, Akku und Ersatzteilsituation prüfen

Ob ein Antriebsmotor Probleme macht, kann sich durch ungleichmäßige Geräuschentwicklung oder zögerlich einsetzende beziehungsweise aussetzende Unterstützung andeuten. Interessentinnen und Interessenten sollten deshalb alle Unterstützungsstufen ausprobieren und auch Display und Bedienelemente auf Funktion überprüfen. Vermeldet die Anzeige Fehler, sollte man vom Kauf Abstand nehmen. Gleiches gilt, wenn der Motor deutlich über das Maximaltempo von 25 km/h hinaus aktiv bleibt, denn dann besteht der Verdacht auf illegales Tuning. Beim Ladegerät ist zu prüfen, ob es Risse aufweist, funktioniert und sich um ein Originalteil handelt.

 

Während sich diese Punkte noch selbst überprüfen lassen, ist die professionelle Fahrraddiagnose etwas für Expertinnen und Experten: Im E-Bike-Fachhandel kann man oftmals einen Gebraucht-Check durchführen lassen, der abhängig von Anbieter und Umfang zwischen etwa 40 und 70 Euro kostet. Je nach Hersteller und System werden dabei Daten zu Akku und Motor ausgelesen und in einem Prüfbericht festgehalten, darunter Informationen zu bisherigen Ladezyklen, Restkapazität der Batterie, Kilometerstand, Fahrprofil und Fehlerspeicher. Wurde das E-Bike etwa viel mit der höchsten Unterstützungsstufe gefahren, macht das eine schnelle Alterung der Zellen wahrscheinlicher. Hat eine E-Bike-Batterie weniger als 80 Prozent ihres ursprünglichen Energiegehaltes, ist sie zwar oft noch nutzbar, der Reichweitenverlust ist jedoch merklich und ermöglicht Preisverhandlungen.

 

Weil ein Ersatzakku je nach Kapazität bis in den vierstelligen Eurobereich kosten kann, sollte außerdem vor dem Kauf geprüft werden, ob Ersatz erhältlich ist. Bei Bosch-, Shimano- oder Yamaha-Komponenten besteht ein großes Händler- beziehungsweise Versorgungsnetz, bei weniger verbreiteten Systemen ist es umso wichtiger, nach einem Servicepartner in der Nähe und nach der Liefer- oder Reparierbarkeit von Akku, Display und weiteren Elektrokomponenten zu fragen.

 

Das Alter beachten

Auch das Alter des E-Bikes spielt eine Rolle, denn die technische Entwicklung schreitet schnell voran: War im Jahr 2020 ein Energiegehalt von 500 Wh noch ein guter Wert bei neuen E-Bikes, werden seit 2024/2025 800-Wh-Akkus angeboten. Zugleich werden die Stromspeicher zunehmend unauffällig in den Rohren verbaut, sodass Modelle schon nach wenigen Jahren veraltet wirken können. Wer auf aktuelle Innovationen wie eine Automatikschaltung nicht verzichten möchte, dürfte auf dem Gebrauchtmarkt seltener fündig werden.

 

Gebrauchtkauf bei Online-Händlern und Privatpersonen

Online-Händler wie ReBike, UpWay, Bike2Future oder Gebrauchtrad24 bringen Second-Hand-Modelle auf Vordermann, bevor sie sie als „refurbished Bikes“ anbieten. Häufig handelt es sich dabei um Leasingrückläufer. Besonders beanspruchte Verschleißteile werden in der Regel ausgetauscht und die Software wird nach Möglichkeit mit Updates auf den neuesten Stand gebracht. Die Anbieter lesen auch Daten aus, die Akku-Restkapazität sollte man im Zweifel jedoch erfragen. Händler sind gesetzlich zu einer Gewährleistung von einem Jahr verpflichtet, manche erweitern diese als Zusatzgarantie auf zwei Jahre für Motor und Akku.

 

All das bietet der Privatkauf nicht, dafür kann man sich bei privaten Anbieterinnen und Anbietern in der Nähe persönlich von der Ware überzeugen, direkt nach Nutzung, Ladegewohnheiten, Reparaturen und Problemen fragen und die im Online-Handel möglichen Kosten für Bestellung und Rücksendung vermeiden. Zwar sind die Preise bei Privatverkäuferinnen und Privatverkäufern häufig niedriger und verhandelbar, andererseits können weitere Kosten entstehen, wenn Verschleißteile ausgetauscht werden müssen. Besonders bei schweren E-Bikes und Lastenrädern können neue Bremsbeläge, Bremsscheiben, Reifen, Kette oder Riemen schnell mehrere hundert Euro kosten.

 

Was beim Kaufvertrag und weiteren Unterlagen zu beachten ist

Bei einem Privatkauf ist das Risiko höher, an ein gestohlenes Bike zu geraten, einen manipulierten Kilometerstand vorzufinden oder festzustellen, dass Akkuschlüssel, Bedienungsanleitung oder Ladegerät fehlen. Umso wichtiger ist es, neben dem Kaufpreis die Rahmennummer des E-Bikes und wichtiges Zubehör im Kaufvertrag zu dokumentieren. Auch die Unfallfreiheit und bekannte Mängel sollten aufgenommen werden. Um die Herkunft des Rades zu klären, hilft die Originalrechnung. Wer noch sicherer gehen möchte, kann bei einer Polizeidienststelle anhand der Rahmennummer nachfragen, ob das Rad als gestohlen gemeldet wurde, oder in privaten Fahrradregisterdatenbanken wie fahrradpass.info recherchieren. Wartungsnachweise wie ein lückenlos geführtes Serviceheft lassen ebenfalls auf den Zustand schließen. Musterkaufverträge für E-Bikes gibt es im Internet zum Download, zum Beispiel beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.

 

Weitere Informationen:

>> Sicher unterwegs mit dem Fahrrad: Warum passende Reifen entscheidend sind

>> Fahrradnutzung im Alltag: Kauf, Leasing, Abo oder doch Bike-Sharing?

>> Pendeln mit dem Fahrrad: So gelingt der Arbeitsweg per Rad

 

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