Berlin (ACE) – Zum heutigen Beschluss des Bundeskabinetts zur Reform der Fahrausbildung äußert sich Marc-Philipp Waschke-Deden, Referent für Verkehrspolitik und Führerscheinexperte beim ACE Auto Club Europa, wie folgt:
„Mit dem heutigen Beschluss kommt Bewegung in die dringend notwendige Reform der Fahrausbildung. Der ACE begrüßt, dass die Bundesregierung die hohen Kosten für den Führerscheinerwerb und den Modernisierungsbedarf jetzt konkret angeht. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das ein wichtiges Signal – denn die Fahrausbildung darf nicht zur sozialen Frage werden.
Richtig ist aus unserer Sicht vor allem der Ansatz, mehr Transparenz bei Fahrschulen zu schaffen. Wenn Fahrschülerinnen und Fahrschüler Leistungen, Preise und Erfolgsquoten künftig besser vergleichen können, stärkt das den Verbraucherschutz. Auch eine verbindlichere Einschätzung der Prüfungsreife kann helfen, teure Wiederholungsprüfungen zu reduzieren.
Sinnvoll ist außerdem, dass mehr praktische Fahrerfahrung ermöglicht werden soll. Zusätzliche Fahrpraxis – etwa durch begleitete Fahrten – kann junge Fahrerinnen und Fahrer auf den Alltag im Straßenverkehr vorbereiten und zugleich Fahrstunden einsparen.
Klar ist aber auch: Bezahlbarkeit darf nicht durch Qualitätsabbau erkauft werden. Die Menschen erwarten zu Recht eine gute und sichere Fahrausbildung. Die Ausbildung im Straßenverkehr trägt enorme Verantwortung. Deshalb sehen wir es kritisch, dass einige Standards bei Ausbildung und Prüfung aufgeweicht werden.
Dass Fahrschülerinnen und Fahrschüler sich künftig komplett im Selbststudium auf die Theorieprüfung vorbereiten dürfen, birgt Risiken. Gerade der gemeinsame Austausch, Diskussionen über Verkehrssituationen und das Einordnen von Risiken machen gute Ausbildung aus. Verkehrskompetenz entsteht nicht allein durch Klicks auf richtige Antworten. Der Straßenverkehr ist ein soziales Gefüge, das gegenseitige Rücksichtnahme erfordert. Entsprechende Kompetenzen können im Selbststudium nur schwer vermittelt werden und damit auch langfristig eine Auswirkung auf den Straßenverkehr haben.
Insgesamt ist die Erwartung, der Führerschein könne künftig pauschal um mehrere hundert Euro günstiger werden, gewagt. Diese Rechnung wird in der Praxis nicht für alle Fahrschülerinnen und Fahrschüler aufgehen. Nicht jede Familie verfügt zum Beispiel über ein Auto oder die Möglichkeit, zusätzliche private Fahrpraxis zu organisieren.
Deshalb braucht es realistische Erwartungen statt falscher Hoffnungen. Die meisten Menschen wünschen sich einen bezahlbaren Führerschein – aber ausdrücklich ohne Qualitätseinbußen. Genau daran muss sich die Reform jetzt im weiteren parlamentarischen Verfahren messen lassen.“
Weitere Informationen:
>> Sinnvolle Verbesserungen, doch 1.400 Euro Ersparnis nicht realistisch
>> ACE-Bilanz: Verkehrspolitik nach einem Jahr Bundesregierung
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