- Kinderfahrrad nicht zum „Reinwachsen“ kaufen
- Größe, Gewicht und Bremsung bei Probefahrt testen
- Rücktrittbremse und Stützräder nicht empfehlenswert
Berlin (ACE) – Ein Kinderfahrrad muss mehr können, als nur gut aussehen. Es sollte zum Kind passen, sicher zu bedienen sein und Freude am Radfahren machen. Weil Kinder wachsen und Kinderfahrräder teuer sind, wirkt für viele ein Fahrrad zum „Reinwachsen“ zunächst naheliegend. Verständlich ist das, aber riskant. Ist das Modell zu groß, sitzt das Kind unsicherer im Sattel. Und wenn das Fahrrad nicht richtig zum Kind passt, verliert es womöglich auch die Lust am Radeln – oder sie kommt erst gar nicht auf. Worauf beim Kauf eines Kinderfahrrads zu achten ist, erklärt der ACE Auto Club Europa.
Probefahrt bleibt Pflicht
Auch wenn die Telefonberatung der Online-Händler besser geworden ist und Hersteller von Kinderrädern wissen, wie die Rahmengeometrie für die Kleinen beschaffen sein sollte – die Probefahrt bleibt Pflicht. Nur so kann alles überprüft und auch ausprobiert werden, ob das Modell nicht zu schwer ist. Denn das Kind sollte das Fahrrad ohne große Mühe aufrichten können.
Die richtige Größe finden
Sitzhöhe, Lenkerhöhe und Tretlagerhöhe sollten bei der Probefahrt zum Körper des Kindes passen. Faustregel: Kann das Kind in der Satteleinstellung mit den Fußballen den Boden berühren, ist die richtige Sitzhöhe gefunden, da es sich so gut abstützen kann. Vor dem Kauf sollte dies in der niedrigsten Satteleinstellung möglich sein. Um zu prüfen, ob das Fahrrad passt, sollte die Sitzhaltung möglichst aufrecht sein, damit der Überblick über das Verkehrsgeschehen gewahrt bleibt. Die Arme sollten dabei leicht angewinkelt sein, wenn die Hände die Lenkergriffe umfassen. Wenn Sattel und Lenker in der Höhe verstellbar sind, kann das Rad sogar etwas mitwachsen. Mitwachsen heißt allerdings nicht reinwachsen: Das Fahrrad muss von vornherein die richtige Größe haben. Ist das Tretlager tief, verbessert dies das Fahrgefühl, da das Fahrrad mit tieferem Schwerpunkt stabiler fährt. Auch die Kurbellänge ist von Belang: Stößt das Kind beim Radeln mit dem Knie an den Ellbogen, ist sie zu lang. Die passende Rad- und Rahmengröße ergibt sich automatisch, wenn die beschriebene Sitzhaltung passt.
Bremsen und Sicherheitsdetails prüfen
Bei der Testbremsung sollten sich die Hebel fein dosieren lassen und mit den Fingern gut erreichbar sein. Früher wurde die Rücktrittbremse empfohlen, heute wird den Kindern zugetraut, sich schnell an die Bremshebel zu gewöhnen. Die Rücktrittbremse stellt zudem sogar ein Sicherheitsrisiko dar, wenn die Pedale im Ernstfall nicht in der richtigen Position stehen. Mit Freilauf lassen sich die Pedale auch schneller in die richtige Anfahrposition drehen.
Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass die Pedale selbst rutschfest sind und der Kettenkasten am besten geschlossen ist. Ein geschlossener Kettenkasten schützt Kinder vor Verletzungen und verhindert, dass Kleidung oder Schnürsenkel in die Kette geraten. Zudem schützt er die Kette vor Schmutz und Feuchtigkeit und macht damit das Rad pflegeleichter. Scharfe Ecken und Kanten an Rahmen oder Teilen verbieten sich. Ein Prallschutz an den Lenkergriffen ist sinnvoll, da er die Enden des Lenkers abdeckt und Stöße abfedern kann. Verzichtbar am idealen Kinderfahrrad sind dagegen Federgabeln, da sie den Komfort kaum erhöhen, dafür aber Preis und Gewicht. Und gar hinderlich und daher fast ausgestorben sind Stützräder: Sie können zwar in manchen Situationen ein Umkippen verhindern, doch das Gleichgewicht dynamisch zu halten, lernen Kinder damit nicht.
Beleuchtung: Spielfahrrad oder verkehrssicheres Fahrrad?
Besonders wichtig ist die Beleuchtung, wobei viele Hersteller Kinderfahrräder ohne diese ausliefern. So genannte Spielfahrräder, die nur auf Gehwegen, Spielstraßen oder Privatgelände genutzt werden, gelten laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) nicht als Fahrzeug und bedürfen folglich keiner Beleuchtung. Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen mit Fahrrädern Gehwege benutzen, ältere Kinder dürfen dies bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr. Sobald ein Rad auf der Straße gefahren wird, muss es verkehrssicher sein und damit auch mit Frontscheinwerfer, Rücklicht sowie Reflektoren ausgestattet sein. Folgende Reflektoren gehören zur Ausstattung:zwei gelborange pro Pedal, hinten ein roter und vorne ein weißer Reflektor, an den Rädern entweder je Felge zwei gelborange Reflektoren, weiße Reflektorhülsen an jeder Speiche oder einen umlaufenden weißen Ring an der Flanke jedes Reifens. Auch ein Wimpel am Gepäckträger, helle oder reflektierende Kleidung und Beleuchtung am Fahrradhelm erhöhen die Sicherheit durch bessere Sichtbarkeit.
Kinder nicht mit zu vielen Schaltmöglichkeiten überfordern
Bei der Schaltung hat sowohl die Naben- als auch die Kettenschaltung Vor- und Nachteile. Eine Nabenschaltung ist besonders wartungsarm und lässt sich auch im Stand bedienen. Muss ein Kind regelmäßig Anstiege bewältigen, kann eine Kettenschaltung die bessere Wahl sein, weil sie sich dann leichter schalten lässt. Grundsätzlich gilt jedoch: Für Kinder reichen meist wenige Gänge aus. Zu viele Schaltmöglichkeiten können gerade Fahranfängerinnen und Fahranfänger überfordern. Einsteigermodelle kommen deshalb häufig ganz ohne Gangschaltung aus.
Schadstoffe: Unabhängige Tests können Orientierung geben
Eine Besonderheit bei Kinderfahrrädern: Bei ihnen wurden in Tests häufiger als bei Fahrrädern für Erwachsene wiederholt schädliche Stoffe gefunden, darunter PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Weichmacher oder andere Stoffe, die als krebserregend gelten. Betroffen sind vor allem Griffe, Sättel und Reifen, aber grundsätzlich auch andere Kunststoffteile. Unabhängige Produkttests können vor dem Kauf Orientierung geben. Riechen Kunststoffteile am Rad stechend, kann das ein Hinweis auf schädliche Stoffe sein. Griffe und andere Teile können im Zweifel gegen schadstofffreie Varianten ausgetauscht werden.
Gebrauchtkauf: Verschleiß genau prüfen
Aus Kostengründen sind auch Gebrauchträder beliebt. Markenware kann sich aufgrund der guten Wertstabilität lohnen, wichtig ist aber vor allem, dass das Fahrrad passt und verkehrssicher ist. Weil Kinder Fahrräder oft mehr beanspruchen als Erwachsene und ihr Fahrrad auch mal unsanft zur Seite fallen lassen, leidet das Material. Typischen Verschleiß sollte man kennen: Im Bereich der Lenkergriffe kann durch Abrieb scharfkantiges Metall offenliegen, Sättel können Risse aufweisen, Pedale und Schutzbleche verbogen sein, der Kettenschutz schleift möglicherweise. Weil Kinder gerne auch mal eine Vollbremsung mit blockierenden Reifen hinlegen, empfiehlt der ACE, die Mäntel auf abgefahrenes Profil zu untersuchen. Auch die Bremsbeläge und -züge zählen zu den an Kinderfahrrädern stark beanspruchten Teilen, die vor der Kaufentscheidung besondere Beachtung finden sollten.
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