- Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auffrischen
- Unfallstelle absichern und Eigenschutz beachten
- Atmung prüfen und Verletzte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte versorgen
Berlin (ACE) – Bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten ist jede anwesende Person verpflichtet, Hilfe zu leisten. Wer dabei schnell und überlegt handelt, kann Leben retten. Anlässlich des morgigen Tags der Ersten Hilfe erinnert der ACE Auto Club Europa daran, die eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen, damit die Abläufe im Ernstfall sitzen.
Wer Bescheid weiß, hilft ohne Zögern
Trifft man an einer Unfallstelle mit Verletzten ein, darf die Notlage nicht ignoriert oder einfach weitergefahren werden. Hilfe leisten ist Pflicht. Unsicherheit über einzelne Handgriffe sollte Ersthelfer und Ersthelferinnen nicht vom Helfen abhalten: Wer versucht, Verletzte zu unterstützen, handelt richtig und muss auch bei Fehlern keine rechtlichen Konsequenzen befürchten. Alle Bedenken abzulegen und direkt zur Tat zu schreiten, fällt trotzdem nicht jedem leicht. Um sich für den Ernstfall zu wappnen, empfiehlt der ACE, Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. Übung bewirkt, dass grundlegende Abläufe auch in Stresssituationen präsent sind.
Zur Vorbereitung gehört auch ein einsatzbereiter Verbandkasten im Fahrzeug, der mindestens einmal jährlich sowie am besten vor jeder längeren Reise kontrolliert werden sollte. Abgelaufenes oder kurz vor dem Ablauf stehendes Material muss ersetzt werden. Ist das Datum überschritten, der Verbandkasten unvollständig oder gar nicht vorhanden, droht für die Fahrerin oder den Fahrer eines Pkw ein Verwarnungsgeld von fünf Euro. Für die Halterin beziehungsweise den Halter des Fahrzeugs sind es zehn Euro.
Eigenschutz geht vor
Wer an einer Unfallstelle anhält, sollte das eigene Fahrzeug zunächst mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf dem Seitenstreifen oder, wenn dieser fehlt, möglichst weit rechts am Fahrbahnrand abstellen. Nach Möglichkeit gilt es, noch im Fahrzeug eine Warnweste anzuziehen. ACE-Tipp: Warnwesten für alle Fahrzeuginsassen mitführen und diese greifbar im Fahrzeuginnenraum, nicht im Kofferraum, verstauen.
Am sichersten ist es, sich anschließend am Fahrbahnrand gegen die Fahrtrichtung und nach Möglichkeit hinter der Leitplanke zu bewegen. Zunächst sollte man sich einen kurzen ersten Überblick verschaffen: Wie viele Personen sind verletzt? Sind weitere Helfende anwesend? Sind die Verletzten ansprechbar oder bewusstlos? Erfordern zusätzliche Gefahren ein unmittelbares Eingreifen? Muss die Fahrbahn betreten werden, ist der Verkehr ständig im Blick zu behalten.
Noch vor dem Notruf und der Versorgung Verletzter muss die Unfallstelle abgesichert werden, um Folgeunfällen vorzubeugen. Dazu ist das Warndreieck gut sichtbar aufzustellen: in Ortschaften etwa 50 Meter, auf Landstraßen rund 100 Meter und auf Autobahnen je nach Sichtsituation 150 bis 400 Meter vor der Unfallstelle. Zur Orientierung können die Leitpfosten dienen, die in der Regel in einem Abstand von jeweils 50 Metern am Fahrbahnrand stehen. Bei schlechter Sicht, beispielsweise durch Regen, Nebel oder in der Dunkelheit, sollte der Abstand erhöht werden. Auch vor Kurven und Kuppen muss der übliche Abstand zugunsten der Sichtbarkeit über- oder unterschritten werden. Ruhe und ein geordnetes Vorgehen helfen dabei, trotz der Ausnahmesituation keine wesentlichen Schritte zu vergessen. ACE-Tipp: Eine Unfall- oder Pannensituation verursacht schon genug Stress. Deshalb das Aufbauen des Warndreiecks bestenfalls vorab in Ruhe üben.
Notruf absetzen und Unterstützung organisieren
Ist die Unfallstelle abgesichert, sollte über die 112 Hilfe angefordert werden. Auf Autobahnen kann dafür auch eine Notrufsäule genutzt werden, bei entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen steht zudem das automatische Notrufsystem E-Call zur Verfügung. Bei der Meldung sollte möglichst genau angegeben werden, wo sich der Unfall ereignet hat, was geschehen ist, wie viele Personen beteiligt sind und welche Verletzungen erkennbar sind. Außerdem sind der eigene Name und eine Kontaktmöglichkeit für Rückfragen mitzuteilen. Wer zu diesem Zeitpunkt noch allein an der Unfallstelle ist, sollte anschließend abhängig von der Situation durch deutliches Winken oder Gesten weitere Verkehrsteilnehmende auf die notwendige Unterstützung aufmerksam machen. So können Aufgaben verteilt und Verletzte besser betreut werden.
Atmung prüfen und Verletzte versorgen
Bis die Rettungskräfte eintreffen, gilt es dann, Verletzte zu betreuen, blutende Wunden nach Möglichkeit zu versorgen und ansprechbare Personen zu beruhigen. Bei bewusstlosen Personen muss insbesondere die Atmung überprüft werden. Atmet die verletzte Person, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dazu sollte sie auf dem Rücken liegen – trägt sie einen Motorradhelm, sollte dieser vorher vorsichtig abgesetzt werden. Dann kniet man sich seitlich vor sie und winkelt den nahen Arm so neben dem Kopf an, dass die Handinnenfläche nach oben zeigt. Der andere Arm wird über den Brustkorb gelegt, sodass die Handoberfläche an der Wange positioniert ist. Anschließend wird das entfernte Bein am Oberschenkel herangezogen, sodass sich die Person auf die Seite dreht. Das obere Bein sollte gebeugt sein und der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegen. Dann wird der Kopf nach hinten geneigt und auf der Hand positioniert. Der Mund sollte leicht geöffnet werden. Bestenfalls wird die Person zugedeckt, damit ihre Eigenwärme möglichst erhalten bleibt.
Ist keine oder nur eine unregelmäßige Atmung festzustellen, sind Herzdruckmassage und Beatmung erforderlich: Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs auf dem Brustbein, die Massage sollte mit dem Handballen in einer Frequenz von etwa 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute und mit einer Drucktiefe von ungefähr fünf bis sechs Zentimetern erfolgen. Idealerweise wechseln sich 30 Druckbewegungen mit zwei Beatmungen ab, bevor der Ablauf wiederholt wird. ACE-Tipp: Bekannte Lieder wie „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees oder „Dancing Queen” von ABBA helfen beim Einhalten des Rhythmus einer Herzdruckmassage.
Weitere Informationen:
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