12.05.2026

Ein halbes Jahr i-Kfz-App: Nutzen und Grenzen des digitalen Fahrzeugscheins

  • App-Funktionen nicht vergleichbar mit i-Kfz-Anwendungen online
  • Digitaler Fahrzeugschein in der App ersetzt Papiervariante nicht vollständig
  • Digitaler Führerschein soll noch in diesem Jahr folgen 

 

Berlin (ACE) – Vor rund sechs Monaten wurde die i-Kfz-App in Deutschland eingeführt. Bis 24. April 2026 verzeichnete das Bundesministerium für Verkehr (BMV) nach eigenen Angaben 1.706.902 Downloads. Was zunächst viel erscheinen mag, erweist sich im Hinblick auf bundesweit rund 43,7 Millionen private Pkw-Halter und Halterinnen als ausbaufähig. Der ACE Auto Club Europa hat sich die App und ihre Funktionen angeschaut und erläutert, was sie jetzt bereits kann und künftig können sollte, um Fahrzeughaltenden echten Mehrwert zu bieten.

 

Digitaler Fahrzeugschein im Fokus

Die i-Kfz-App ist Teil der Digitalisierung im Bereich internetbasierte Fahrzeugzulassung (i-Kfz). Die oft mit der Bezeichnung „i-Kfz“ verbundenen Funktionen wie Anmeldung, Ummeldung oder Außerbetriebsetzung von Fahrzeugen sind jedoch nicht Bestandteil der App. Hierfür müssen weiterhin, je nach Stadt, Gemeinde beziehungsweise Landkreis, separate Online-Portale der Zulassungsbehörden aufgerufen werden. Die zentrale Funktion der App ist hingegen derzeit nur der „Digitale Fahrzeugschein” (DFZ), also die digitale Abbildung der Zulassungsbescheinigung Teil I. 

Um in der App einen Fahrzeugschein hinzuzufügen, sind Hürden zu nehmen: Entweder sind die aktivierte Online-Ausweisfunktion (eID) des Personalausweises, die Kenntnis der zugehörigen PIN sowie ein NFC-fähiges Smartphone erforderlich oder alternativ ein für diesen Zweck generierter QR-Code von der Zulassungsstelle. Ein solcher QR-Code wird von teilnehmenden Zulassungsstellen bei der Zulassung eines Fahrzeugs oder auf Anfrage herausgegeben, ist aktuell aber noch nicht flächendeckend verfügbar. Achtung: Der QR-Code auf dem Fahrzeugschein ist nur für die i-Kfz-Funktionen online gedacht, nicht aber für die App. Erleichtern könnte man die Nutzung der Funktion aus Sicht des ACE, stünden weitere Verifizierungsmöglichkeiten, beispielsweise Video-Ident, zur Verfügung.

 

Fahrzeugdaten immer zur Hand

Sind die Hürden bei der Einrichtung überwunden, kann der digitale Fahrzeugschein im Alltag praktisch sein: Innerhalb Deutschlands ist es in der Regel nicht mehr nötig, das Originaldokument mitzuführen, wenn man die digitale Variante im Smartphone gespeichert hat. Der Schein aus Papier kann dank der App also sicher zu Hause verwahrt bleiben.ACE-Tipp: Im Fahrzeug sollte das Originaldokument keinesfalls zurückgelassen werden. Wird das Auto samt Fahrzeugschein gestohlen, sind Probleme bei der Regulierung durch die Versicherung nicht ausgeschlossen.  

Wer mehrere zulassungspflichtige Fahrzeuge besitzt, kann alle dazugehörigen Fahrzeugscheine in der i-Kfz-App hinterlegen und hat dann alle wichtigen Fahrzeugdaten immer gesammelt parat: Angaben, die im Alltag hin und wieder benötigt werden, wie beispielsweise die erlaubte Anhängelast oder das zulässige Gesamtgewicht, sind in der App übersichtlich dargestellt. Ist kein Netz vorhanden, ist das unproblematisch: Fahrzeugscheine, die bereits in die App geladen wurden, können auch offline angezeigt werden.

Die App führt intuitiv, klar und verständlich durch die einzelnen Schritte, erklärt Funktionen und gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Über einen Info-Button ist auch eine Erklärung der einzelnen Felder im Fahrzeugschein abrufbar. Neue Daten zum Fahrzeug, etwa die aktualisierte Fälligkeit nach einer bestandenen Hauptuntersuchung (HU), oder ergänzte Eintragungen in die Fahrzeugpapiere, wie beispielsweise besondere Felgen, werden automatisch in den digitalen Fahrzeugschein übernommen. 

 

Fahrzeugdaten teilen – kein Problem

Wer bei einer Polizeikontrolle innerhalb Deutschlands aufgefordert wird, die Zulassungsbescheinigung Teil I vorzuzeigen, kann inzwischen auch die i-Kfz-App zücken: Der digitale Fahrzeugschein auf dem Smartphone reicht für diese Zwecke aus. Auch kann der digitale Fahrzeugschein von Fahrzeughalter oder -halterin mithilfe der App mit beliebig vielen Personen und Organisationengeteilt werden. Dies erweist sich vor allem dann als hilfreich, wenn das Fahrzeug verliehen wird oder es in die Werkstatt muss. Voraussetzung ist aber, dass die App von beiden Seiten genutzt wird, somit wird aktuell noch nicht jeder Reparaturdienst mit der digitalen Variante vorliebnehmen. ACE-Tipp: Die Daten verbleiben nur so lange bei der gewünschten Person oder Institution, wie man selbst es möchte. Denn der digitale Schein kann ebenso unkompliziert wieder entzogen werden. Zudem können lediglich „geliehene“ Scheine eines anderen Fahrzeughaltenden nicht an Dritte weiterverliehen werden. 

 

Fahrzeugschein aus Papier für HU weiterhin erforderlich

Achtung: Im Ausland wird weiterhin grundsätzlich der Fahrzeugschein aus Papier benötigt. Und auch im Inland ersetzt der digitale nur bedingt den Fahrzeugschein im Original: Bei der Durchführung der HU bei einer Prüforganisation wie beispielsweise TÜV, DEKRA oder GTÜ genügt die App nicht. Dies hat im vergangenen halben Jahr zu Missverständnissen geführt: „Vereinzelt kommt es vor, dass Fahrzeughalter davon ausgehen, der digitale Fahrzeugschein in der App sei ausreichend“, teilt der TÜV Süd auf Nachfrage mit. Wie mehrere Prüforganisationen dem ACE gegenüber erläutern, sieht die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) nach wie vor den Vermerk der HU auf dem Papierdokument vor. Laut GTÜ sei jedoch geplant, die StVZO so anzupassen, dass die App künftig ausreicht. Der TÜV Nord geht von einer Novellierung der StVZO zum Ende des Jahrzehnts aus. Auch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) teilt mit, dass es im Rahmen der aktuellen Weiterentwicklungsüberlegungen mögliche Lösungen prüfen werde, „um künftig auch die i‑Kfz‑App für die Durchführung einer Hauptuntersuchung nutzbar zu machen“. Aktuell erleichtert die App somit nur die Terminplanung der HU: Steht der „TÜV“ eines Fahrzeugs an, meldet sich bei geöffneter App die integrierte Erinnerungsfunktion und die Fälligkeit wird an prägnanter Stelle der Benutzeroberfläche angezeigt: Zwei Monate vor Ablauf der HU in Gelb, bei abgelaufener HU in Rot.  Der Versand einer automatisierten Erinnerungsmail oder einer Push-Nachricht, was auch bei ausgeschalteter App hilfreich sein könnte, ist aktuell jedoch nicht integriert. 

Insgesamt steht die App aus Sicht des ACE noch am Anfang ihrer Entwicklung: Sie stellt eine gute Basis für weitere digitale Dokumente und Funktionen dar. Wünschenswert wäre neben der Integration von Führerschein, Personalausweis, HU-Bericht und weiteren Fahrzeugpapieren, dass alle Online-i-Kfz-Funktionen und weitere Verwaltungs- und Prüfprozesse, etwa rund um die HU, über die App erfolgen könnten. Laut dem BMV soll sie bereits Ende dieses Jahres um den digitalen Führerschein ergänzt werden. 

 

Weitere Informationen:

>> ACE-Ratgeber zur i-Kfz-App

>> Hauptuntersuchung: Gute Vorbereitung lohnt sich

>> In der Werkstatt: Eigene Rechte kennen und Geld sparen

 

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