29.06.2026

Unwetter nach Hitzetagen: Sicher unterwegs bei Sommergewitter

  • Auto fungiert als faradayscher Käfig und schützt vor Blitzen
  • Fahrrad oder Motorrad bei Gewitter abstellen und Abstand halten
  • Auch nach dem Unwetter können noch Äste herabfallen

 

Berlin (ACE) –Nach heißen Tagen steigt häufig das Risiko für Gewitter, Starkregen, Hagel und Sturmböen. Im Straßenverkehr können solche Wetterwechsel innerhalb kurzer Zeit zu schlechter Sicht, Aquaplaning, gefährlichem Seitenwind und Hindernissen auf der Fahrbahn führen. Der ACE Auto Club Europa rät deshalb, Wetterwarnungen ernst zu nehmen, Fahrten bei akuter Unwetterlage möglichst zu verschieben und unterwegs frühzeitig sichere Haltepunkte anzusteuern.

 

Seitenwind nicht unterschätzen

Starker Seitenwind tritt häufig bereits vor oder während eines Gewitters auf und kann Fahrzeuge unvermittelt aus der Spur bringen. Besonders gefährdet sind Fahrzeuge mit großer Angriffsfläche, etwa Wohnmobile, Transporter, Fahrzeuge mit Dachboxen, Gespanne und Motorräder. Kritisch sind außerdem Brücken, freie Streckenabschnitte, Waldschneisen, Tunnelausfahrten sowie das Überholen von Lkw oder Bussen, weil sich Windkräfte dort abrupt verändern können. Wer bei aufkommendem Sturm unterwegs ist, sollte die Geschwindigkeit deutlich reduzieren, das Lenkrad mit beiden Händen halten, Überholvorgänge vermeiden und ausreichend Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmenden einhalten. Ein Seitenwind-Assistent kann in modernen Fahrzeugen helfen, plötzliche Böen durch gezielte Bremseingriffe oder Lenkunterstützung auszugleichen, ersetzt aber keine aufmerksame, angepasste Fahrweise.

 

Auto schützt vor Blitzen, aber nicht vor den Folgen des Unwetters

Ein geschlossenes Auto mit metallischer Karosseriestruktur bietet bei Gewitter in der Regel einen wirksamen Schutz vor einem Blitzschlag, weil die Fahrzeughülle wie ein faradayscher Käfig wirkt und elektrische Entladungen außen um die Insassen herum ableitet. Fenster und Schiebedach sollten geschlossen sein. Metallische Teile mit Verbindung zur Karosserie sollten nicht berührt werden. Bei Cabrios muss außerdem das Verdeck vollständig geschlossen sein, um Strom abzuleiten. Wer mit offenem Verdeck in ein Gewitter gerät, sollte schnellstmöglich an einem sicheren Ort halten und das Verdeck schließen.

 

Starkregen, schlechte Sicht und Aquaplaning: Tempo deutlich anpassen

Sicher ist das Auto bei Gewitter jedoch nur als Aufenthaltsort, während der Fahrt nicht automatisch eine sichere Umgebung. Denn mit Gewittern gehen häufig weitere Gefahren einher, die unmittelbar auf die Fahrsicherheit wirken. Starkregen kann die Sicht innerhalb weniger Sekunden stark einschränken und für Aquaplaning sorgen. Daher gilt: Je schlechter die Sicht und je mehr Wasser auf der Fahrbahn steht, desto stärker muss die Geschwindigkeit reduziert werden. Scheibenwischer, Abblendlicht und ausreichender Abstand helfen dabei, sichtbar zu bleiben und auf plötzlich auftauchende Hindernisse rechtzeitig reagieren zu können. Fernlicht ist bei starkem Regen meist ungeeignet, weil es durch Regentropfen reflektiert und die Sicht zusätzlich verschlechtern kann. Nebelscheinwerfer und insbesondere die Nebelschlussleuchte können die eigene Sichtbarkeit erhöhen und dürfen auch bei Starkregen mit Sichtweiten unter 50 Metern eingeschaltet werden. Bei Aquaplaning sollte nicht hektisch gelenkt oder stark gebremst werden. Wer merkt, dass das Fahrzeug aufschwimmt, sollte den Fuß vom Gas nehmen und das Lenkrad ruhig in Fahrtrichtung halten.

 

Zu Fuß, auf dem Fahrrad oder Motorrad: Rechtzeitig Schutz suchen

Auf Motorrädern, E-Bikes und Fahrrädern fehlt der schützende Raum einer geschlossenen Fahrzeugkarosserie, weshalb bei Blitz, Hagel, Starkregen und Sturmböen ein erhöhtes Risiko besteht. Wer ein Gewitter herannahen sieht oder Donner wahrnimmt, sollte die Fahrt frühzeitig unterbrechen und Schutz suchen. Wer kein Gebäude oder geschlossenes Auto erreicht, kann unter einer großen Stahlbetonbrücke Schutz suchen, sollte dort aber Abstand zu Geländern, Leitplanken, Metallstützen und dem abgestellten Fahrrad halten. Kleine offene Brücken, leichte Unterstände und oft auch Schutzhütten sind dagegen kein verlässlicher Schutzraum. Entscheidend bleibt, nicht der höchste Punkt im Gelände zu sein, offene Flächen, nasse Wiesen, Uferbereiche und Stege zu meiden und leitfähige Gegenstände nicht zu berühren. 

 

Fahrräder und Motorräder sollten bei Gewitter grundsätzlich abgestellt und nicht festgehalten werden. Gummierte Griffe und Reifen bieten keine ausreichende Isolierung, insbesondere bei Nässe, Schmutz und sehr hohen Spannungen. Zwar ziehen Zweiräder Blitze nicht an, sie können Strom bei einem Einschlag aber leiten. Wer von einem Gewitter überrascht wird, sollte deshalb absteigen, das Fahrzeug abstellen und mindestens zehn Meter Abstand halten. Zusätzlich verschärfen Starkregen und Hagel die Fahrsituation, weil Bremswege länger werden und Fahrbahnmarkierungen, Schienen, Kanaldeckel, Kopfsteinpflaster sowie Laub besonders rutschig sein können.

 

Nach dem Gewitter bleibt die Gefahr bestehen

Auch wenn Blitz und Böen nachlassen, kann die Verkehrslage weiterhin gefährlich bleiben. Nach Starkregen, Hagel oder Sturmböen können Äste nicht nur auf der Fahrbahn liegen, sondern auch noch zeitverzögert aus Baumkronen herabfallen. Besonders auf Alleen, Waldstrecken und Straßen mit altem oder vorgeschädigtem Baumbestand ist erhöhte Vorsicht geboten, weil trockene, geschädigte oder morsche Äste unter Windlast leichter brechen und sich auch nach dem stärksten Sturm noch lösen können. Hinzu kommen können verdrehte Verkehrszeichen, ausgefallene Ampeln, überflutete Unterführungen und Senken sowie verschmutzte Fahrbahnen. Auf nasser Fahrbahn können Laub, Schlamm, Splitt oder Hagelkörner die Haftung deutlich verringern. Wer nach einem Unwetter weiterfährt, muss vorausschauend fahren, Abstand zu Bäumen halten, bremsbereit bleiben, überflutete Strecken nicht befahren und bei unklarer Fahrbahnlage umkehren oder eine sichere Warteposition wählen.

 

Weitere Informationen:

>> Starkregen und Überschwemmung: ACE gibt Tipps für Autofahrende

>> Unwetterschäden am Fahrzeug: Wer haftet?

>> Gegenstände auf der Autobahn: Umgang mit Verkehrshindernissen

 

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