15.09.2026

Ländliche Bahnhöfe im Fahrradabstellcheck: Nur etwa die Hälfte ist an das Radwegenetz angebunden

ACE-Erhebung an 193 Haltestellen zeigt, wo es beim Umstieg vom Fahrrad in den ÖPNV noch hakt

 

  • 3 Prozent der getesteten Bahnhöfe nicht für den Umstieg aufs Fahrrad geeignet
  • Fahrradboxen oder -parkhäuser im Kommen: an jedem dritten Bahnhof vorhanden
  • Fahrradfreundliche Extras wie Leihräder, Ladeboxen und Reparaturstationen sind die Ausnahme

Berlin (ACE) 15. September 2026 – Immer mehr Menschen sind mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs: Laut Fahrrad-Monitor 2025 sind 80 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland Radfahrende – von einer stabilen bis leicht steigenden Fahrradnutzung ist die Rede. Mit der wachsenden Bedeutung des Fahrrads für den Einzelnen entstehen neue Anforderungen an die Infrastruktur: Das Fahren aber auch das Parken von Fahrrädern muss flächendeckend sicher möglich sein. Gerade im ländlichen Raum sind Bahnhöfe und einfache Haltestellen des Schienenverkehrs wichtige Schnittstellen zwischen Fahrrad und Personennahverkehr (ÖPNV). Dass dort in Puncto Fahrradtauglichkeit teils noch Nachholbedarf besteht, zeigt eine aktuelle bundesweite Erhebung des ACE Auto Club Europa.

Anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September haben die engagierten Ehrenamtlichen des ACE in den letzten Monaten unter dem Motto „FAHRRAD.LAND.UMSTIEG. SICHER & NACHHALTIG“ 193 kleinere Bahnhöfe und Haltestellen des Schienenverkehrs abseits der Metropolen unter die Lupe genommen. Im Fokus stand dabei die Frage: Wie sicher und komfortabel ist der Umstieg vom Fahrrad in den ÖPNV möglich? Der Gedanke dahinter: Gerade im ländlichen Raum ist die Kombination aus Fahrrad und ÖPNV für den Arbeitsweg attraktiv. Dafür braucht es an Bahnhöfen sichere und ausreichend vorhandene Fahrradstellplätze.

 

Fehlende Radweganbindung bedeutet erhöhtes Unfallrisiko

Wer sein Fahrrad am Bahnhof abstellen möchte, bevor er oder sie in den ÖPNV umsteigt, muss zunächst sicher am entsprechenden Bahnhof ankommen. Dies gestaltet sich den Testergebnissen nach nicht immer unproblematisch: Wie die ACE-Testteams feststellen mussten, gibt es teils keine direkte Radweganbindung. Fast die Hälfte der Bahnhöfe im Test (45 Prozent) weisen demnach aus Sicht des ACE ein Defizit in der Infrastruktur auf, das der Verknüpfung von Rad- und Bahnverkehr („Bike+Ride“) zuwiderläuft und die Verkehrssicherheit im Bahnhofsbereich gefährdet: „Ein Bahnhof kann noch so gute Fahrradstellplätze anbieten – wenn der Weg dorthin gefährlich ist, bleibt das Fahrrad für viele Menschen als Zubringer zum ÖPNV unattraktiv“, sagt Sven Hübschen, Projektleiter der ACE-Clubaktion.

3 Prozent der Bahnhöfe im Test erwiesen sich sogar als gänzlich ungeeignet für den Umstieg vom Fahrrad in den ÖPNV und umgekehrt. Am schlechtesten schnitten Eichstätt und Hagelstadt in Bayern sowie Hattorf in Niedersachsen ab. Beide Bahnhöfe in Bayern erzielten im Test keinen einzigen Punkt. Die Testerinnen und Tester fanden vor Ort weder Fahrradstellplätze noch sonstige fahrradfreundliche Begebenheiten vor. Hattorf bekamlediglich einen Punkt für vorhandene Beleuchtung. Aus Sicht des ACE ein nicht zeitgemäßer Zustand, der sowohl der Verkehrswende als auch der alltäglichen Logistik von Pendlerinnen und Pendlern entgegensteht.

 

Sichere Parkmöglichkeiten für Fahrräder gewinnen an Bedeutung

Erfreulich sind hingegen folgende Testergebnisse: Rund 79 Prozent der kleinen Bahnhöfe und Haltestellen (153) verfügen bereits über gute bis sehr gute Voraussetzungen für einen attraktiven Umstieg vom Fahrrad auf den ÖPNV. Die ACE-Testerinnen und -Tester haben an der überwiegenden Mehrheit freie und sichere Stellplätze vorgefunden (je 89 Prozent), die das Fahrrad vor dem Umkippen bewahren und Fahrraddiebstahl erschweren. Fast immer waren besagte Abstellmöglichkeiten für Radfahrende gut zugänglich und unter anderem ohne problematische Bordsteine erreichbar.

Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an den getesteten Bahnhöfen waren überwiegend nutzerfreundlich gestaltet: Fast immer gab es festen Straßenbelag (93 Prozent) und die meisten Standorte waren beleuchtet (88 Prozent). Auch ein Schutz vor Witterung war größtenteils gegeben (83 Prozent). Sauberkeit im Bahnhofsbereich wird zudem mehrheitlich großgeschrieben: 78 Prozent der Haltestellen und Bahnhöfe im Test konnten hierfür Extrapunkte einheimsen.

Fahrradboxen oder Fahrradparkhäuser waren an mehr als jedem dritten Bahnhof vorhanden (35 Prozent): Aus Sicht des ACE eine positive Entwicklung, die es weiter auszubauen gilt. Nicht zuletzt angesichts steigender Preise für Fahrräder und Pedelecs werden sichere Abstellplätze, die einen wirksamen Schutz vor Diebstahl und Beschädigung bieten, zunehmend wichtiger, sodass der Bau weiterer abschließbarer Anlagen wünschenswert ist. Der ACE empfiehlt den kommunal Verantwortlichen, die Auslastung regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf das Angebot zu erweitern.

 

Stellplatz mit Extras: Wo das Fahrrad besonders gut aufgehoben ist

Als besonders fahrradfreundlich erwiesen sich die Bahnhöfe Murnau in Südbayern, Augustfehn im westlichen Niedersachsen und Bogen in Niederbayern. Der Bahnhof im südbayerischen Murnau, welcher als einziger die Höchstpunktzahl erzielte, überzeugte nicht zuletzt mit mehreren fahrradfreundlichen Extras wie einer Reparaturstation, Videoüberwachung, Ladeboxen für Pedelec-Akkus und einem Fahrradverleih vor Ort. Auch Augustfehn bietet mit Radwaschanlage und Werkstattservice vor Ort besondere Services für Radelnde. Am Bahnhof Bogen gibt es neben einem Snackautomaten auch Ladeboxen. Ausstattung und Dienstleistungen explizit für Radfahrende bleiben an Bahnhöfen jedoch die Ausnahme. Fahrradreparaturstationen weisen immerhin 16 Prozent der Testbahnhöfe auf. Ladeboxen und Leihfahrräder waren mit 13 Prozent beziehungsweise 9 Prozent schon seltener. Zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Lastenräder sorgten nur vereinzelt für Bonuspunkte.

Während sich insgesamt eine gleichmäßige Verteilung gut ausgestatteter Bahnhöfe ergab, ist in Schleswig-Holstein eine leichte Häufung positiv bewerteter Standorte zu erkennen.  

 

ACE fordert: ÖPNV und Fahrrad zusammendenken

Gerade im ländlichen Raum können Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr gemeinsam eine wichtige Mobilitätsalternative bieten. Das Fahrrad überbrückt die Strecke zwischen Wohnort und Bahnhof, Bus und Bahn übernehmen anschließend längere Distanzen. Damit dieser Mobilitätsmix im Alltag funktioniert, braucht es jedoch eine verlässliche Infrastruktur an den Schnittstellen. Sichere, gut erreichbare und ausreichend dimensionierte Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen sind deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen verschiedene Verkehrsmittel flexibel miteinander kombinieren können.

Die Testergebnisse des ACE-Fahrradabstellchecks zeigen, dass dies vielerorts bei Planung und Bau der Bahnhöfe und Haltestellen bereits berücksichtigt wurde. Von flächendeckend guten und sehr guten Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an Bahnhöfen sind wir jedoch noch weit entfernt. Dies, so Projektleiter Sven Hübschen, muss allerdings das Ziel sein: „Nur wer mit dem Fahrrad sicher zum Bahnhof gelangt, dort einen hochwertigen und geschützten Stellplatz vorfindet und anschließend unkompliziert in den ÖPNV umsteigen kann, erhält eine echte Alternative zum Auto, was Innenstädte entlastet und somit allen zugutekommt.“ 

 

Über die Methodik

Im Rahmen der Erhebung wurden insgesamt 193 Bahnhöfe und Haltestellen des Schienenverkehrs ohne Weichen, zum bloßen Ein- und Aussteigen, abseits von Metropolen getestet. Zwischen Mitte März und August 2026 prüften ACE-Ehrenamtliche, ob sichere und freie Fahrradstellplätze in Bahnhofsnähe zur Verfügung stehen und wie nutzerfreundlich diese sind: Mittels eines standardisierten Erfassungsbogens wurden die Standorte jeweils in den Kategorien Stellplatz (maximal 5 Punkte), Lage & Anbindung (maximal 4 Punkte) und Sicherheit (maximal 2 Punkte) bewertet. Je nach Ausstattung konnten daneben Extrapunkte vergeben werden (maximal 2 Punkte), sodass im Test bis zu 13 Punkte erreicht werden konnten. Entsprechend ihrer Punktzahl wurden die Bahnhöfe als „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“ oder „nicht ausreichend“ beurteilt. Die vollständigen Ergebnisse der Erhebung, auch aufgeschlüsselt nach Bundesländern, stehen weiter unten zum Download zur Verfügung.

 

 

Weitere Informationen:

>> Grafik: Deutschlandkarte mit Bewertungen der Bahnhöfe im ACE-Fahrradabstellcheck

>> Grafik: Zentrale Ergebnisse aus verschiedenen Testkategorien des ACE-Fahrradabstellchecks

>> Ergebnistabelle des ACE-Fahrradabstellchecks

>> Erhebungsbogen des ACE-Fahrradabstellchecks

>> Informationen zum Fahrradabstellcheck auf der ACE-Website

 

Für Rückfragen und Interviewwünsche
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