19.06.2026

Gefahrenzone Beschleunigungsstreifen: Jedes fünfte Auffahren risikoreich oder fehlerhaft

 

ACE-Erhebung an 134 Auffahrten von Fernstraßen macht Risiken beim Einfädeln sichtbar

 

  • 20 Prozent der knapp 18.000 beobachteten Auffahrvorgänge verliefen nicht reibungslos 
  • Fehlerhaftes oder unterlassenes Blinken häufigstes Problem beim Auffahren
  • Einzelne Auffahrten mit Auffälligkeitsquote von 57 Prozent besonders auffällig

 

 

Berlin (ACE) 19. Juni 2026 – Für viele Verkehrsteilnehmende gehört das Auffahren auf eine Fernstraße zu den anspruchsvolleren Situationen im Straßenverkehr. Hohe Geschwindigkeiten und dichter Verkehr können das sichere Einfädeln erschweren. Dass diese Situation nicht nur subjektiv herausfordernd ist, sondern auch messbares Fehlerpotenzial birgt, zeigt eine aktuelle bundesweite Erhebung des ACE Auto Club Europa.

 

Anlässlich des vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ausgerufenen Tags der Verkehrssicherheit am 20. Juni 2026 macht der ACE mit seiner Aktion „Gefahrenstelle Auffahrt? – Sicher auf die Fernstraße“ auf einen oft unterschätzten Verkehrsknotenpunkt aufmerksam. In den vergangenen Monaten hat der ACE insgesamt 134 Auffahrten zu Autobahnen, Kraftfahrstraßen und Bundesstraßen in ganz Deutschland untersucht. Beobachtet wurde unter anderem, ob geblinkt wurde, der Seitenstreifen unerlaubt weiter befahren wurde oder es zu einem direkten Wechsel auf die linke Spur kam. Ebenfalls erfasst wurde das Halten am Ende des Beschleunigungsstreifens: Es ist zwar regelkonform, wenn ein sicheres Einfädeln nicht möglich ist. Aus ACE-Sicht ist dieses Verhalten jedoch als risikoreiche Auffälligkeit zu werten, da Verkehrsteilnehmende oft nicht damit rechnen. Zudem birgt das Einfädeln aus dem Stand zusätzliche Gefahren durch die sonst hohen Geschwindigkeiten für alle Beteiligten. Als akute Gefährdungen dokumentierten die ACE-Testerinnen und -Tester Situationen, in denen der nachfolgende Verkehr beispielsweise stark abbremsen, ausweichen oder durch Hupen auf eine kritische Lage reagieren musste.

 

Bei insgesamt 17.947 beobachteten Fahrzeugen wurden in 3.595 Fällen (20 Prozent) Auffälligkeiten, Fahrfehler oder Gefährdungen festgestellt. Bei einzelnen Auffahrvorgängen wurden mehrere Fehler und Verstöße beobachtet, sodass die ACE-Testerinnen und -Tester insgesamt 4.044 einzelne Auffälligkeiten dokumentierten.

 

Fehler beim Blinken sind das häufigste Problem beim Auffahren

Wer sicher auf eine Fernstraße auffahren möchte, sollte den Beschleunigungsstreifen über seine gesamte Länge nutzen, frühzeitig blinken und die Geschwindigkeit zügig an den fließenden Verkehr anpassen. Dass genau das vielen Verkehrsteilnehmenden nicht immer gelingt, zeigen die Ergebnisse der ACE-Untersuchung: Fehlerhaftes, falsches oder unterlassenes Blinken war mit 69 Prozent der 4.044 erfassten Auffälligkeiten das mit Abstand häufigste Fehlverhalten. Wird der Fahrtrichtungsanzeiger zu spät, gar nicht oder missverständlich gesetzt, können andere Autofahrende die Situation schlechter einschätzen und das Risiko plötzlicher Brems- oder Ausweichmanöver steigt. Deutlich gefährlicher ist der direkte Wechsel vom Beschleunigungsstreifen auf die linke Fahrspur. Dieses Manöver wurde mit 13 Prozent am zweithäufigsten beobachtet und birgt ein erhöhtes Gefährdungspotenzial, weil es den fließenden Verkehr auf mehreren Fahrstreifen negativ beeinflussen kann.

 

Befahren des Standstreifens verdeutlicht Regelkonflikt

Gelingt es nicht, sich rechtzeitig in den fließenden Verkehr einzufädeln, muss nach geltendem Recht am Ende des Beschleunigungsstreifens angehalten und auf eine sichere Einfädelmöglichkeit gewartet werden. Dieses regelkonforme Verhalten konnte nur selten, in zwei Prozent der Fälle, dokumentiert werden. Häufiger wurde dagegen der Seiten- beziehungsweise Standstreifen unzulässig genutzt oder eine durchgezogene Linie überfahren: Rund zehn Prozent der dokumentierten Fahrfehler entfallen darauf. Aus Sicht des ACE sollte geprüft werden, ob die Nutzung des Standstreifens unmittelbar im Anschluss an den Beschleunigungsstreifen in klar begrenzten Ausnahmefällen zulässig sein sollte, wenn dies der sicheren Geschwindigkeitsanpassung und dem gefahrlosen Einordnen in den fließenden Verkehr dient. Dadurch könnte auch ein Anhalten auf dem Beschleunigungsstreifen vermieden werden. Denn auch dieses eigentlich regelkonforme Verhalten kann erhebliche Risiken für die Verkehrssicherheit mit sich bringen.

 

Einzelne Standorte mit deutlich erhöhter Auffälligkeitsquote

Bei den bundesweiten Tests fielen einige Standorte auf, die besonders hohe Quoten an Auffälligkeiten, Fahrfehlern und Gefährdungen, gemessen an den jeweils beobachteten Auffälligkeiten, aufwiesen. So wurde an der Auffahrt am Kreuz A61 bei Mutterstadt (Rheinland-Pfalz) sowie an der Auffahrt zur A4 bei Magdala (Thüringen) jeweils eine Auffälligkeitsquote von 57 Prozent festgestellt. Dahinter rangiert die Auffahrt Plauen-Ost (Sachsen) zur A72 mit einer Auffälligkeitsquote von 54 Prozent. Sehr positive Ergebnisse zeigten sich dagegen in Halle-Neustadt an der B80 (Sachsen-Anhalt) ohne dokumentierte Auffälligkeiten. In Wernigerode-Mitte an der A36 (Sachsen-Anhalt) in Fahrtrichtung Halle und an der Auffahrt Berlin-Hellersdorf (Brandenburg) zur A10 wurde jeweils nur eine Auffälligkeitsquote von lediglich vier Prozent dokumentiert.

Auch im Ländervergleich zeigen sich große Unterschiede: In Sachsen wurde mit 33 Prozent die höchste Quote an Auffälligkeiten, Fahrfehlern und Gefährdungen verzeichnet, während die Auffälligkeitsquote in Berlin mit 10 Prozent besonders niedrig war. Um welche Art der Auffahrt es sich handelt, macht hingegen kaum einen Unterschied. An Autobahnauffahrten fiel die Auffälligkeitsquote mit 19,8 Prozent etwas niedriger aus als an den übrigen untersuchten Fernstraßen, wo 20,9 Prozent der Auffahrvorgänge auffällig waren.

 

ACE fordert mehr Aufklärung und Rücksichtnahme

Ziel der ACE-Aktion zum Tag der Verkehrssicherheit 2026 ist es, Auffälligkeiten, Verkehrsverstöße und potenzielle Gefährdungen an Auffahrten, einem oft unterschätzten Verkehrsknotenpunkt, sichtbar zu machen und daraus konkrete Ansätze für mehr Sicherheit abzuleiten. Neben gegenseitiger Rücksichtnahme sieht der ACE insbesondere eine intensivere Aufklärung über korrektes Blinken und sicheres Einfädeln, die Überprüfung kritischer Auffahrten durch die zuständigen Stellen sowie eine politische Diskussion über mögliche Anpassungen der geltenden Regelungen zur Nutzung des Standstreifens als wichtige Maßnahmen an.

„Auffahrten sind keine Nebensache des Straßenverkehrs: Wenn jeder fünfte Auffahrvorgang mit Auffälligkeiten, Fehlern oder Gefährdungen verbunden ist, braucht es mehr Aufmerksamkeit, bessere Aufklärung und dort, wo nötig, auch eine Überprüfung der bestehenden Rahmenbedingungen. Glücklicherweise haben wir nur in sechs Prozent der Fälle starke Bremsmanöver, kritische Einfädelvorgänge und Beinahe-Kollisionen beobachtet. Dennoch wird deutlich, wie risikoreich das Auffahren auf Fernstraßen sein kann“, erklärt Sven Hübschen, Projektleiter der Aktion und Regionalbeauftragter für Baden-Württemberg beim ACE. Eine eng begrenzte, klar definierte Ausnahme bei der Standstreifennutzung könnte aus Sicht des ACE dort geprüft werden, wo ein Anhalten am Ende des Beschleunigungsstreifens neue Risiken erzeugt und ein kurzes Weiterfahren zur sicheren Geschwindigkeitsanpassung beitragen kann.

 

Über die Erhebung

Die ACE-Testerinnen und -Tester haben zwischen März und Juni 2026 bundesweit 134 Auffahrten zu Autobahnen, Kraftfahrstraßen und Bundesstraßen für jeweils 30 Minuten beobachtet. Mittels eines standardisierten Erfassungsbogens wurden sämtliche auffahrenden Fahrzeuge sowie Auffälligkeiten, Fahrfehler und Gefährdungssituationen dokumentiert. Insgesamt wurden 17.947 Fahrzeuge gezählt, wovon bei 3.595 Autofahrerinnen und -fahrer Auffälligkeiten, Fahrfehler oder Gefährdungen festgestellt wurden. Bei einzelnen Auffahrvorgängen wurden mehrere Fehler und Verstöße beobachtet, sodass die ACE-Testerinnen und -Tester insgesamt 4.044 einzelne Auffälligkeiten dokumentierten.

 

Weitere Informationen:

>> Zum Download:  Auswertungstabelle zur ACE-Aktion „Gefahrenstelle Auffahrt? – Sicher auf die Fernstraße“

>> Infografik: Häufigste Auffälligkeiten und Verstößen

>> Infografik: Top & Flop- Auffahrten

>> Infografik: Fehlerfreies Einfädeln vs. Auffälliges Einfädeln

 

Für Rückfragen und Interviewwünsche
ACE Pressestelle, Tel.: 030 278 725-15,
E-Mail: presse@ace.de, Invalidenstraße 29, 10115 Berlin
LinkedIn: linkedin.com/company/ace-auto-club-europa-e-v-

Projektleiter der Aktion und Regionalbeauftragter für Baden-Württemberg
Sven Hübschen
Tel.: 0151 12665612