22.09.2026

Ganzjahresreifen sind nicht für jedes Fahrprofil die richtige Wahl

© ACE LENKRAD/K. Tschovikov

  • Eigene Fahrgewohnheiten und Reifenqualität bei der Auswahl berücksichtigen
  • Alpine-Symbol bei winterlichen Straßenverhältnissen beachten
  • Ein Satz Allwetterreifen kann laufende Kosten reduzieren

 

Berlin (ACE) – Wenn die Temperaturen im Herbst sinken, stellt sich für viele Autofahrende die Frage, ob Ganzjahresreifen ausreichen oder der Wechsel auf Winterreifen sinnvoll ist. Ganzjahresreifen können den saisonalen Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen sowie die Einlagerung eines zweiten Reifensatzes überflüssig machen, müssen konstruktionsbedingt jedoch sehr unterschiedliche Anforderungen abdecken. Der ACE Auto Club Europa rät deshalb, die Reifenwahl nicht allein von der Jahreszeit, sondern vor allem vom persönlichen Fahrprofil und den typischen Einsatzbedingungen abhängig zu machen. Der ACE erläutert, für wen sich Allwetterreifen eignen.

 

Ganzjahresreifen bleiben ein Kompromiss

Ganzjahresreifen verbinden Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen, haben aber nicht unter allen Bedingungen die jeweiligen Stärken spezialisierter Saisonreifen. Auf schneebedeckter Fahrbahn und bei Schneematsch bieten gute Winterreifen in der Regel Vorteile, während Sommerreifen speziell für sommerliche Bedingungen wie hohe Temperaturen und heißen Asphalt konzipiert sind. Allwetterreifen sind in ihrer Gummimischung und Profilgestaltung sowohl für sommerliche als auch für winterliche Bedingungen ausgelegt und stellen somit immer einen Kompromiss dar. Unterschiede zwischen Saison- und Ganzjahresreifen können sich bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn, schneller Kurvenfahrt, sportlicher Fahrweise oder hoher Zuladung bemerkbar machen.

 

Bei Nässe lässt sich dagegen nicht pauschal vom Reifentyp auf die Qualität schließen: Gute Ganzjahresreifen können hier durchaus besser abschneiden als mittelmäßige Sommerreifen. Entscheidend ist deshalb die Qualität des konkreten Reifenmodells und nicht allein dessen Einordnung als Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen. Der ACE empfiehlt, vor dem Kauf unabhängige Reifentests wie die des ACE sowie das EU-Reifenlabel zu prüfen und dabei insbesondere auf Nasshaftung und externes Rollgeräusch zu achten.

 

Bei geringer Fahrleistung eine praktische Alternative

Ganzjahresreifen eignen sich insbesondere für Autofahrende mit geringer bis moderater Jahresfahrleistung, die ihr Fahrzeug überwiegend im Alltag und nicht regelmäßig unter anspruchsvollen Witterungsbedingungen nutzen. Wer bei starkem Schneefall, Schneematsch oder Glatteis nicht zwingend auf das Auto angewiesen ist und Fahrten gegebenenfalls verschieben kann, kann auf Allwetterreifen zurückgreifen. Das gilt vor allem, wenn im Winter keine regelmäßigen Fahrten in schneereiche Regionen oder in die Berge geplant sind. Je flexibler die Fahrzeugnutzung bei schwierigen Winterbedingungen ist, desto eher kommen Ganzjahresreifen als Alternative infrage. Bei Glatteis gilt unabhängig vom Reifentyp: Aufgrund der äußerst geringen Haftung sollte das Fahrzeug möglichst stehen bleiben.

 

Auch das individuelle Fahrverhalten spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle. Ganzjahresreifen können sich gut für Autofahrende eignen, die überwiegend mit moderaten Geschwindigkeiten unterwegs sind und weder eine besonders sportliche Fahrweise noch regelmäßig hohe Zuladungen einplanen. Der Vorteil des entfallenden Reifenwechsels muss deshalb immer im Zusammenhang mit Laufleistung und Einsatzbedingungen betrachtet werden. Für Wenigfahrende mit flexiblem Mobilitätsbedarf können gute Ganzjahresreifen eine geeignete Lösung darstellen.

 

Ein Reifensatz kann laufende Kosten reduzieren

Ganzjahresreifen können insbesondere bei geringer bis moderater Fahrleistung auch finanziell von Vorteil sein. Da nur ein Reifensatz benötigt wird, entfallen die Anschaffung eines zweiten Satzes sowie die regelmäßigen Kosten für den saisonalen Rad- oder Reifenwechsel. Wer Sommer- oder Winterreifen nicht zu Hause lagern kann, spart zudem die Kosten für die Einlagerung in einer Werkstatt oder bei einem Reifenbetrieb. Dem steht gegenüber, dass der Verschleiß bei Ganzjahresreifen je nach Fahrleistung und Einsatzbedingungen, insbesondere bei hohen Temperaturen, höher sein kann. Für Wenigfahrende können Ganzjahresreifen die laufenden Kosten dennoch spürbar reduzieren.

 

Alpine-Symbol bleibt im Winter Voraussetzung

Egal, welcher Reifentyp es am Ende wird: Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen alle Räder mit Reifen ausgerüstet sein, die für winterliche Straßenverhältnisse zugelassen sind und somit der in Deutschland geltenden situativen Winterreifenpflicht entsprechen. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte müssen die Reifen daher das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke tragen. Die bekannte Sieben-Grad-Regel ist dagegen lediglich eine Faustregel und keine rechtliche Vorgabe. Sie kann nur als Orientierung für die Planung des Reifenwechsels dienen: Wer im Herbst noch mit Sommerreifen unterwegs ist, sollte die Wetterentwicklung verfolgen und bei angekündigtem Wintereinbruch rechtzeitig auf geeignete Bereifung wechseln.

 

Gesetzlich vorgeschrieben sind außerdem mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Der ACE empfiehlt für Ganzjahresreifen im Winter wie auch für Winterreifen jedoch mindestens vier Millimeter.

 

 

Weitere Informationen:

>> Allwetterreifen im ACE-Reifentest

>> Reifenkauf: Online-Schnäppchen oder Service-Paket vom Händler?

>> Herbstanfang: Jetzt schon an Winterreifen denken

 

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