- Qualität wichtig: Kürzungen bei Sonderfahrten, Prüfung und Fragenkatalog werden mehrheitlich abgelehnt
- Digitale Angebote werden eher als Ergänzung gesehen und sollen Präsenzunterricht und Fahrpraxis im Auto nicht ersetzen
- 79 Prozent wollen Online-Vergleichsmöglichkeit für Preise und Durchfallquoten
Berlin (ACE) –Der Führerschein wird für viele junge Menschen und Familien zunehmend zur finanziellen Hürde. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant daher eine umfassende Reform der Fahrausbildung, die den Weg zum Führerschein digitaler, flexibler und kostengünstiger machen soll. Im Frühjahr 2026 wollen Bund und Länder ein abgestimmtes Reformpaket beschließen. Um herauszufinden, wie die Bevölkerung die Reformvorschläge bewertet, hat der ACE Auto Club Europa das Meinungsforschungsinstitut forsa mit einer repräsentativen Befragung von 1.001 Personen beauftragt, die die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren abbildet.
Bezahlbarkeit nicht um jeden Preis
Auch wenn die Bezahlbarkeit bei der Fahrausbildung für viele eine zentrale Rolle spielt und für 60 Prozent der Befragten geringe Kosten in der Fahrschule sehr wichtig sind, zeigt die Forsa-Umfrage: Eine gute Ausbildungsqualität in der Fahrschule steht für 76 Prozent an erster Stelle. Gleichzeitig werden Reformideen kritisch gesehen, die die Qualität beeinträchtigen könnten: 77 Prozent halten es für gar nicht oder eher nicht sinnvoll, die Zahl der verpflichtenden Sonderfahrten zu reduzieren. Bei den 18- bis 29-Jährigen lehnen das sogar 80 Prozent ab. Auch eine Verkürzung der praktischen Prüfung von 30 auf 25 Minuten lehnt mit 68 Prozent die deutliche Mehrheit ab. Zudem halten 55 Prozent die Reduzierung des Fragenkatalogs der theoretischen Prüfung für nicht sinnvoll. Dieses Meinungsbild bestätigt die Haltung des ACE seit Beginn der Debatte: So wichtig die Bezahlbarkeit ist, Sicherheit und Ausbildungsqualität dürfen nicht darunter leiden.
Digitalisierung als Ergänzung, nicht als Ersatz
Digitale Angebote stoßen bei den Befragten grundsätzlich auf Offenheit, doch bei der Verlagerung zentraler Ausbildungsbestandteile ins Digitale sind viele skeptisch. 70 Prozent halten Simulatoren für sinnvoll, etwa um das Fahren mit einem Schaltwagen zu üben. Vorgeschriebene Sonderfahrten teilweise im Simulator zu absolvieren, halten jedoch mehr als die Hälfte für nicht sinnvoll, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 66 Prozent. Auch beim Theorieunterricht zeigt sich Zurückhaltung gegenüber einem vollständig digitalen Modell: Selbst in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen erreicht die Abschaffung des verpflichtenden Präsenzunterrichts mit 47 Prozent keine Mehrheit. Insgesamt zeigt sich, dass viele, besonders Jüngere, digitale Angebote grundsätzlich annehmen, sie aber nicht als vollständigen Ersatz für Präsenzunterricht und Fahrpraxis im Auto sehen.
Mehr Verbraucherschutz: 79 Prozent wollen besseren Online-Vergleich
Mit seiner geplanten Transparenzoffensive stößt Verkehrsminister Schnieder bei den Befragten auf breite Zustimmung: 79 Prozent der Befragten halten eine Online-Vergleichsmöglichkeit mit transparenten Kosten sowie Bestehens- und Durchfallquoten aller Fahrschulen für sinnvoll. Der ACE fordert darüber hinaus, dass die Preise verständlich und verbindlich in einer zentralen Online-Plattform dargestellt und die Bestehensquoten regelmäßig aktualisiert werden müssen. Auffällige Abweichungen von regionalen Durchschnittswerten sollten kenntlich gemacht und bei ungewöhnlich hohen Durchfallquoten anlassbezogene Kontrollen durchgeführt werden, um Verbraucherinnen und Verbraucher besser zu schützen.
Laienausbildung nur mit klaren Regeln und Qualitätssicherung
Auch der Vorschlag, dass Fahrschülerinnen und Fahrschüler künftig bereits vor der Prüfung in Begleitung nahestehender Personen Fahrpraxis sammeln dürfen, stößt in der Bevölkerung auf ein geteiltes Echo. Nur 42 Prozent befürworten eine solche Laienausbildung grundsätzlich. Auffällig ist, dass Ältere dem Konzept offener gegenüberstehen als Jüngere: In der Altersgruppe ab 60 Jahren stimmen 46 Prozent zu, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es nur 36 Prozent. Zudem zeigen sich deutliche Unterschiede beim Haushaltseinkommen: Befragte mit niedrigem Einkommen befürworten die Laienausbildung häufiger (51 Prozent) als Besserverdienende (37 Prozent).
Aus Sicht des ACE kann eine stärkere Einbindung von Eltern oder Bezugspersonen zusätzliche Fahrpraxis ermöglichen und damit die Vorbereitung auf die Prüfung sowie die anschließende Hochrisikophase verbessern. Damit das Modell jedoch nicht zulasten von Sicherheit, Ausbildungsqualität und Chancengerechtigkeit geht, fordert der ACE klare Standards, verpflichtende Schulungen und eine verlässliche Qualitätssicherung für Begleitpersonen. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Verantwortung für eine gute Fahrausbildung nicht in private Haushalte verlagert wird, denn nicht alle Fahrschülerinnen und Fahrschüler verfügen über geeignete Begleitpersonen oder einen Privat-Pkw und dürfen dadurch nicht benachteiligt werden.
Mehrheit unterstützt ACE-Vorschlag eines Mobilitätszuschusses
Angesichts der stark gestiegenen Führerscheinkosten setzt sich der ACE für mehr Chancengerechtigkeit ein und fordert die Einführung eines einmaligen bundesweiten Mobilitätszuschusses für junge Menschen. Dieser könnte flexibel etwa für den Führerscheinerwerb, ein ÖPNV-Ticket oder die Anschaffung eines Fahrrads genutzt werden. In der Forsa-Umfrage stößt dieser Vorschlag auf breite Zustimmung: Insgesamt befürworten 58 Prozent der Befragten den Mobilitätszuschuss, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Der ACE schlägt hierzu einen Zuschuss von 500 Euro vor, um die selbstständige Mobilität und Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu stärken.
Weiteres Pressematerial:
>> Die gesamte Auswertung kann hier abgerufen werden
Die folgenden begleitenden Grafiken können redaktionell unter Angabe des ACE Auto Club Europa verwendet werden:
>> Wichtige Aspekte der Fahrausbildung
>> Beurteilung verschiedener Reformvorschläge
>> Befürwortende des vermehrten Einsatzes von Fahrsimulatoren
>> Befürwortende des digitalen Theorieunterrichts
>> Befürwortende der Laienausbildung
Weitere Informationen:
>>ACE-Stellungnahme zum 64. Verkehrsgerichtstag: Überhöhte Anforderungen bei der Führerscheinprüfung?
>> Führerscheinreform mit Augenmaß: Sicherheit muss Vorrang haben
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