20.10.2026

Smartphone am Steuer: Bei jedem dreißigsten Fahrzeug Handy-Verstoß festgestellt

ACE-Clubinitiative 2026 nimmt Smartphone-Nutzung im Straßenverkehr unter die Lupe

 

  • 3,3 Prozent nutzten das Smartphone verbotswidrig – durchschnittlich neun Verstöße pro halbstündigem Check
  • Große regionale Unterschiede: Verstoßquote bis zu 17,9 Prozent an einzelnen Kreuzungen
  • Mehr Prävention, gezielte Polizeikontrollen und moderne Überwachungstechnik erforderlich

 

Berlin (ACE) – Bei jedem dreißigsten kontrollierten Kraftfahrzeug nutzte die Person am Steuer verbotswidrig das Smartphone. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Clubinitiative „Kopf hoch! Handy-Verkehrs-Check“ des ACE Auto Club Europa. Bei 309 bundesweiten Überprüfungen stellten die ACE-Ehrenamtlichen insgesamt 2.782 Verstöße bei 83.383 Kraftfahrzeugen fest. Pro halbstündigem Check wurden damit durchschnittlich neun Smartphone-Verstöße registriert. Teilweise beobachteten die Ehrenamtlichen darüber hinaus gefährliche Verkehrssituationen. Der ACE fordert aufgrund der alarmierenden Ergebnisse mehr Aufklärung, gezielte Kontrollen und den Einsatz moderner Technologien gegen Smartphone-Nutzung am Steuer.

 

Bundesweit rund 2.800 Smartphone-Verstöße am Steuer festgestellt

Vom 1. April bis zum 31. Juli 2026 überprüften 352 ACE-Ehrenamtliche gemeinsam mit 13 hauptamtlichen Regionalbeauftragten an 309 ausgewählten innerörtlichen Kreuzungen das Verhalten von Kraftfahrenden. Bei den jeweils 30-minütigen Checks wurden sowohl fahrende als auch vorübergehend stehende Fahrzeuge, beispielsweise an Ampeln, erfasst. Insgesamt lag die Quote der eindeutig erkennbaren Smartphone-Verstöße, also der verbotenen Nutzung des Smartphones am Steuer, bei 3,3 Prozent. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Standorten. Bei 44 Checks liegt die Verstoßquote über 6,5 Prozent. An vier Kontrollpunkten wurde dagegen kein einziger Verstoß festgestellt.

 

Regionale Unterschiede: Saarland, Hamburg und Hessen weit über dem Bundesdurchschnitt

Auch zwischen den Bundesländern fielen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Die höchsten Verstoßquoten verzeichnen das Saarland mit 6,8 Prozent, Hamburg mit 5,6 Prozent und Hessen mit 5,2 Prozent. Allerdings ist das Ergebnis des Saarlands aufgrund von lediglich zwei durchgeführten Checks nur eingeschränkt aussagekräftig.

 

Am unteren Ende der Skala liegen Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3 Prozent, Bayern mit 2,7 Prozent und Sachsen mit 2,8 Prozent. Hier beobachteten die Ehrenamtlichen vergleichsweise selten eine verbotene Smartphone-Nutzung am Steuer.

 

Negativrekord in Stuttgart: Fast jede fünfte Person am Steuer mit Smartphone beschäftigt

Besonders auffällig war ein Check an der Kreuzung Pragstraße/Löwentorstraße in Stuttgart (Baden-Württemberg). Dort registrierten die Ehrenamtlichen bei 84 Fahrzeugen insgesamt 15 Verstöße. Die Quote von 17,9 Prozent ist der bundesweite Negativrekord. Ebenfalls hohe Werte wurden in Pforzheim (Baden-Württemberg) an der Kreuzung Dietlinger Straße/Wildbader Straße mit 11,1 Prozent sowie in Berlin an der Kreuzung Danziger Straße/Greifswalder Straße mit 10,5 Prozent gemessen.

 

Dass es auch anders geht, zeigen vier Checks in Braunschweig (Niedersachsen), Jüterbog (Brandenburg), Oschatz (Sachsen) und Trostberg (Bayern). Dort wurde während der jeweils halbstündigen Überprüfung erfreulicherweise kein einziger Smartphone-Verstoß festgestellt.

 

Verkehrs-Checks zeigen weitere Sicherheitsrisiken auf

Die Beobachtungen beschränkten sich nicht auf den verbotenen Griff zum Smartphone. An verschiedenen Kontrollpunkten registrierten die ACE-Ehrenamtlichen gefährliche Situationen, darunter Rotlichtverstöße, abrupte Bremsmanöver und Gefährdungen von Radfahrenden beim Abbiegen. Weitere Beobachtungen reichten vom Rauchen im Auto mit Kindern im Fahrzeug über einen Laptop auf der Mittelkonsole bis hin zu einem Hund auf dem Schoß des Fahrers.

 

Ablenkung durch elektronische Geräte: 15 Tote und 199 Schwerverletzte

Wie ernst die Folgen sein können, zeigt auch die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes. Im Jahr 2025 wurde bei 9.472 Unfällen mit Personenschaden Ablenkung als Unfallursache erfasst, rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. In 1.108 Fällen war die Nutzung elektronischer Geräte am Steuer nachweislich unfallursächlich. Bei diesen Unfällen starben 15 Menschen, weitere 199 wurden schwer verletzt. Die tatsächliche Zahl der durch Ablenkung verursachten Unfälle dürfte weitaus höher liegen, da sich die Ursache polizeilich häufig nur schwer nachweisen lässt.

 

Besonders an innerörtlichen Kreuzungen kann jede unaufmerksame Sekunde schwerwiegende Folgen haben. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf das Smartphone statt auf die Straße schaut, legt rund 28 Meter im Blindflug zurück. Bei Tempo 30 sind es immer noch knapp 17 Meter. Vor allem Zufußgehende und Radfahrende sind dadurch gefährdet.

 

Aufklärung allein reicht nicht aus

„Unsere Ergebnisse sind alarmierend: Bei jedem dreißigsten kontrollierten Fahrzeug haben wir einen Smartphone-Verstoß festgestellt. Dabei kann schon ein kurzer Blick aufs Display Menschenleben gefährden“, erklärt Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE Auto Club Europa. „Aufklärung allein reicht nicht aus. Es braucht ein stärkeres Bewusstsein für die Gefahr, die vom Smartphone am Steuer ausgeht, gezielte Verkehrskontrollen und den Einsatz moderner Technologien. Dabei steht für uns nicht die Verhängung von Bußgeldern im Vordergrund, sondern das Ziel, gefährliches Verhalten zu verhindern, bevor Menschen zu Schaden kommen. Denn jeder vermiedene Unfall kann Leben retten.“

 

Der ACE fordert deshalb, das Thema Ablenkung nicht nur verbindlich in der Fahrausbildung, sondern auch an Schulen zu behandeln. Praxisnahe Sicherheitstrainings und gezielte Aufklärungskampagnen sollten zudem die persönliche Risikowahrnehmung stärken. Denn obwohl die meisten Autofahrenden wissen, dass Smartphone-Nutzung am Steuer gefährlich ist, unterschätzen viele das Risiko eines vermeintlich kurzen Blicks auf das Display.

 

Gleichzeitig sind aus Sicht des ACE verstärkte Polizeikontrollen notwendig. Diese sollten datenbasiert insbesondere an Stellen, an denen sich Unfälle häufen, stark befahrenen Straßen und anderen nachweisbaren Gefahrenpunkten stattfinden. Dafür muss die Polizei über ausreichend Personal verfügen. Ergänzend spricht sich der ACE für den Einsatz sogenannter Handy-Blitzer aus. Für diese KI-gestützte Überwachungstechnik fordert der ACE eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage sowie klare Datenschutzstandards, insbesondere die sofortige Löschung von Aufnahmen regelkonform Fahrender.

 

Entscheidend ist aus Sicht des ACE das Zusammenspiel aus Aufklärung, wirksamer Prävention und konsequenten Kontrollen. Ziel muss es sein, gefährliche Gewohnheiten nachhaltig zu verändern und Unfälle zu verhindern. Der Appell des ACE an Verkehrsteilnehmende lautet deshalb: Kopf hoch – Handy weg – Fokus auf die Straße!

 

Über die Erhebung

Die bundesweiten Verkehrskontrollen im Rahmen der ACE-Clubinitiative 2026 fanden vom 1. April bis zum 31. Juli 2026 an ausgewählten innerörtlichen Kreuzungen in allen 16 Bundesländern statt. Jeder Check dauerte 30 Minuten und erfasste jeweils eine Fahrtrichtung. Die ACE-Ehrenamtlichen dokumentierten anhand eines einheitlichen Erhebungsbogens die Anzahl der Kraftfahrzeuge sowie die eindeutig erkennbare verbotswidrige Smartphone-Nutzung am Steuer. Grundlage für die Bewertung waren die Vorgaben des § 23 Abs. 1a und 1b der Straßenverkehrsordnung (StVO). Berücksichtigt wurden sowohl fahrende als auch vorübergehend stehende Fahrzeuge, etwa an roten Ampeln.

 

Weitere Informationen:

>> Gesamtauswertung: Ergebnisse Handy-Verkehrs-Check 2026 als PDF

>> Zur Website der ACE-Clubinitiative (mit Pressebildern zur redaktionellen Verwendung unten auf der Seite)

 

Für Rückfragen und Interviewwünsche
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