- Bei Begegnungen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen Geschwindigkeit und Sicherheitsabstand anpassen
- Überholmanöver nur bei vollständig einsehbarer Strecke und ausreichend Platz
- Verschmutzte Fahrbahnen und Staub haben Gefahrenpotenzial
Berlin (ACE) – Jetzt in der Erntezeit nimmt auf Straßen in ländlichen Regionen der Verkehr mit Traktoren, Anhängern und großen Erntemaschinen deutlich zu. Dadurch verschmutzen Erde, Pflanzenreste und andere Ernterückstände vermehrt die Fahrbahn, während trockene Feldarbeiten durch aufgewirbelten Staub die Sicht einschränken können. Der ACE Auto Club Europa empfiehlt deshalb, insbesondere auf Land- und Dorfstraßen aktuell besonders aufmerksam unterwegs zu sein und Geschwindigkeit sowie Abstand frühzeitig anzupassen.
Erntefahrzeuge: Überholen erfordert freie Sicht und ausreichend Platz
Während der Erntezeit sind landwirtschaftliche Fahrzeuge rund um die Uhr auf öffentlichen Straßen unterwegs und bewegen sich dabei häufig erheblich langsamer als der restliche Verkehr. Besondere Aufmerksamkeit ist an Feldzufahrten, hinter Kuppen und in unübersichtlichen Kurven erforderlich: Langsame oder abbiegende Landmaschinen können unvermittelt auftauchen. Wer hinter einem Traktor oder einer Erntemaschine fährt, sollte nicht zuletzt aufgrund der Größe dieser Fahrzeuge zunächst die Geschwindigkeit reduzieren. Ausreichend Abstand ist notwendig, um eine ausreichende Sicht auf den weiteren Straßenverlauf zu behalten. Ein Überholvorgang ist nur dann sicher möglich, wenn die Strecke vollständig einsehbar ist und genügend Platz zur Verfügung steht. Dabei unbedingt beachten, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge durch Anhänger, angebaute Arbeitsgeräte und die teilweise erhebliche Fahrzeugbreite oftmals einen besonders hohen Platzbedarf haben, welcher aus der Distanz teils schwer einschätzbar ist. Blinkt eine Zugmaschine, nähert sie sich einer Feldzufahrt oder ist ihre Fahrtrichtung nicht eindeutig erkennbar, rät der ACE dringend vom Überholen ab, denn beim Abbiegen können Gespanne weit ausschwenken und angebaute Geräte zusätzlichen Raum beanspruchen. Auch vor Kurven und Kuppen sind Überholmanöver nicht zu empfehlen, da dort die Sicht auf den entgegenkommenden Verkehr eingeschränkt ist. Eine defensive Fahrweise ist im Ernteverkehr grundsätzlich angebracht. Langsamen Erntefahrzeugen begegnet man besser mit Geduld, denn bei einem riskanten Überholmanöver ist nicht auszuschließen, dass man in plötzlich einsetzenden Gegenverkehr gerät.Kollisionen mit schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen können aufgrund ihrer Masse und Bauweise zudem besonders folgenreich sein.
Achtung: Ein Verkehrszeichen, das das Symbol eines Traktors und die Aufschrift „darf überholt werden“ unter einem allgemeinen Überholverbotszeichen zeigt, ist nicht als Aufforderung zu verstehen, landwirtschaftliche Fahrzeuge immer zu überholen. Vielmehr zeigt es die grundsätzliche Möglichkeit an, Fahrzeuge, Gespanne und Züge, die weniger als 25 km/h fahren, zu überholen, obwohl mehrspurige Fahrzeuge in dem Bereich sonst nicht überholt werden dürfen. Eine Überholpflicht besteht nicht. Moderne Traktoren fahren zudem häufig deutlich schneller als 25 km/h. Das angebrachte Geschwindigkeitsschild am Heck ist dringend zu beachten: Ist hier keine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeitvon maximal 25 km/h vermerkt, darf das entsprechende Fahrzeug bei einer solchen Beschilderung nicht überholt werden.
Erde und Erntereste: Verschmutzte Fahrbahn frühzeitig erkennen und melden
Dadurch, dass Erntefahrzeuge überwiegend auf unbefestigtem Grund unterwegs sind, kommt es vor, dass Erde, Lehm und Pflanzenreste aus den grobstolligen Reifen oder von Arbeitsgeräten auf die Straße gelangen. Insbesondere während intensiver Feldarbeiten kommen auch großflächige Verschmutzungen vor. Werden diese Rückstände durch Regen, Tau oder Nebel feucht, kann sich ein rutschiger Schmierfilm bilden. Durch die sogenannte Bauernglätte verlängert sich der Bremsweg und die Schleudergefahr steigt. Gerade auf dem Motorrad kann dies eine erhöhte Sturzgefahr bedeuten. Wer Feldarbeiten am Straßenrand oder sichtbare Verschmutzungen auf der Fahrbahn erkennt, sollte deshalb frühzeitig die Geschwindigkeit reduzieren, den Sicherheitsabstand vergrößern und abrupte Lenk- oder Bremsmanöver vermeiden. Zwar sind Verantwortliche einer verkehrsgefährdenden Verschmutzung verpflichtet, diese unverzüglich zu beseitigen und die Gefahrenstelle bis dahin ausreichend kenntlich zu machen. Dass auch ungesicherte Fahrbahnverschmutzungen länger andauern, kommt trotzdem vor. Auch können kurz zuvor gereinigte Passagen im laufenden Erntebetrieb schnell neu verschmutzen. Um den Folgeverkehr vor Unfällen und Pannen zu bewahren, empfiehlt der ACE, erhebliche, nicht abgesicherte oder ausgeschilderte Fahrbahnverschmutzung innerorts der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise außerorts dem zuständigen Straßenbaulastträger zu melden. Teils haben Kommunen „Mängelmelder“ eingerichtet, über die auch online oder an eine Hotline gemeldet werden kann. Bei einer akuten Gefahrenlage, etwa Sturzgefahr für Zweiradfahrende durch eine sehr rutschige Fahrbahn oder große beziehungsweise großflächige Rückstände auf der Straße, ist jedoch der Polizeinotruf 110 die richtige Anlaufstelle.
Staubentwicklung gerade in ländlichen Gebieten jederzeit möglich
Auch auf einer scheinbar freien Landstraße kann während der Erntezeit plötzlich schlechte Sicht herrschen. Vor allem entlang trockener, bereits abgeernteter Flächen, bei laufender Getreideernte oder wenn Landmaschinen über unbefestigte Feldwege fahren, ist Staubentwicklung möglich, die auch die benachbarte Fahrbahn tangiert. Sobald die Sicht beeinträchtigt ist, muss die Geschwindigkeit reduziert und der Abstand deutlich vergrößert werden. Ist eine plötzliche Geschwindigkeitsreduktion notwendig, kann es je nach Situation sinnvoll sein, den nachfolgenden Verkehr mithilfe der Warnblinkanlage zu warnen. ACE-Tipp: Auch empfiehlt es sich, die Umluft im Auto kurzzeitig einzuschalten, wodurch die verschmutzte Luft von außen nicht durch die Lüftung in den Innenraum gelangen kann. Grundsätzlich darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der sichtbaren Strecke angehalten werden kann. Niemals sollte in eine Staubwolke hinein überholt werden, da weder Gegenverkehr noch Hindernisse zuverlässig beurteilt werden können und sich die Sichtweite innerhalb kurzer Distanz weiter verschlechtern kann.
Hopfenspikes: Kleine Drahtstücke können Reifenschäden verursachen
In Hopfenregionen ist besondere Aufmerksamkeit gefragt: Beim Häckseln der Reben können kurze Drahtstücke entstehen, die mit dem Erntegut transportiert werden und dabei mitunter auf die Straße fallen. Die unscheinbaren Metallstücke können sich dann, ähnlich wie Nägel, in Reifen bohren, diese beschädigen und so Pannen oder Unfälle verursachen. Wer durch Gebiete mit intensiver Hopfenernte fährt, beispielsweise die Hallertau in Bayern, sollte auf Erntereste auf der Straße achten und regelmäßig seine Reifen checken.
Weitere Informationen:
>> Sicherheitsabstand einhalten: So vermeiden Sie gefährliche Situationen und Bußgelder
>> Überholverbot: In diesen Situationen dürfen Sie nicht überholen
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