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Projekt Gute Wege


Projektteam "Gute Wege"
Märkisches Ufer 28
D-10179 Berlin

Mobilitätsmanagement

Warum Mobilitätsmanagement?

Stressfaktor Pendeln
Die Arbeitswelt verändert sich. Ein Wandel, der für viele Beschäftigte mit zunehmender Mobilität verbunden ist: Lange Arbeitswege, häufige Dienstreisen und möglichst große Flexibilität gehören zu den täglichen Herausforderungen.

Gerade Beschäftigte, die mit dem Pkw unterwegs sind, erleben die Fahrten oft als stressig. So empfindet laut einer Untersuchung des Kölner Forschungsinstituts Psychonomics ein Viertel der Autofahrerinnen und Autofahrer regelmäßig Stress am Steuer. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) fand heraus, dass sich bei 95 Prozent der Blutdruck bei Staus und stockendem Verkehr erhöht. Dennoch steht der Pkw hoch im Kurs.

Im Durchschnitt 17 Kilometer zur Arbeit
Im Berufsverkehr werden 80 Prozent aller gefahrenen Personenkilometer mit dem Auto zurückgelegt. Dabei sitzen laut Zahlen des Bundesverkehrsministeriums von 2012 über 94 Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer alleine in ihrem Wagen.

Der durchschnittliche Arbeitsweg hat eine Länge von 17 Kilometern. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit dem eigenen Pkw zur Arbeit fahren, bedeutet das Spritkosten, die sich auf mehrere hundert Euro im Jahr summieren. Die Folgekosten für die Pkw-Nutzung betragen mehrere Tausend Euro.

Mit dem Pkw zur Arbeit: eine Herausforderung für Betriebe
Auch für Betriebe führt der hohe Pkw-Anteil beim Berufs- und Geschäftsverkehr zu Belastungen. So kostet die Errichtung eines ebenerdigen Pkw-Stellplatzes ca. 2.000 bis 3.500 Euro. Bei einem Tiefgaragenplatz sind es sogar zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Hinzu kommen Grundstücks- und Bewirtschaftungskosten. Für eine profitablere Nutzung stehen diese Flächen dann nicht mehr zur Verfügung.

Zum teuren Parkraum kommen weitere Effekte: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf dem Weg zum Kunden im Stau stehen, verlieren wertvolle Arbeitszeit. Stress, mangelnde Bewegung und Unfälle führen zu erhöhten Krankenständen in der Belegschaft.

Lösung Mobilitätsmanagement

Entspannt zur Arbeit
Betriebliches Mobilitätsmanagement ist ein innovatives Instrument, mit dem Unternehmen den Pkw-Verkehr an ihrem Standort effektiv reduzieren können. Beim Berufsverkehr zielt Mobilitätsmanagement darauf, das Mobilitätsverhalten von Beschäftigten zu beeinflussen. Um dies zu erreichen, werden die Alternativen zum Pkw, wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und Fahrgemeinschaften, gezielt attraktiver gestaltet.

Um erfolgreich zu sein, muss Mobilitätsmanagement gut auf die Bedürfnisse der Beschäftigten und die Bedingungen am Standort eines Unternehmens ausgerichtet werden. Am Anfang steht daher stets eine Analyse der Ausgangssituation. Auf dieser Basis lassen sich konkrete Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen für Bus und Bahn, Fahrrad und Fahrgemeinschaften schaffen. Von den Vorteilen profitieren sowohl die Beschäftigten als auch die Betriebe.

Das Spektrum der möglichen Maßnahmen ist groß und reicht von attraktiven Jobticket-Angeboten über das Leasing von Diensträdern bis zur Einführung moderner, web- oder Smartphone-gesteuerter Mitfahrbörsen. Oft haben bereits kleine Schritte einen großen Effekt, wie die Beleuchtung des Fußwegs zur Haltestelle oder die Öffnung einer Einbahnstraße für Fahrradfahrer. So individuell wie die Betriebe sind auch die Mobilitätslösungen. Eine erste praktische Orientierung mit einem bunten Strauß an möglichen Maßnahmen bieten unsere Aktionstage.

Ein Erfolgsmodell mit vielen Vorteilen
Dabei sollte jedoch klar sein: Insbesondere in ländlichen Räumen gibt es mitunter keine attraktiven Alternativen zur Fahrt mit dem eigenen Pkw. Hier können Betriebe zum Beispiel Fahrgemeinschaften fördern. Sie können sich auch für eine Verbesserung des Angebots mit öffentlichen Verkehrsmitteln stark machen. Der Anspruch von Mobilitätsmanagement ist es aber nicht, alle Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umstieg zu bewegen. Vielmehr geht es darum, dass diejenigen umsteigen, für die sich sinnvolle, bezahlbare und attraktive Alternativen aufzeigen oder schaffen lassen.

Die Ergebnisse aus bisherigen Projekten zeigen: Mobilitätsmanagement wirkt. Führt ein Unternehmen das Instrument ein, lassen im Durchschnitt 20 Prozent der Pendler das eigene Auto stehen oder schließen sich zu Mitfahrgelegenheiten zusammen.

Sie wollen noch mehr erfahren? In unserem Flyer "Nachhaltige Mobilität für Beschäftigte" finden Sie weitere Informationen zu den Potenzialen und Chancen von Mobilitätsmanagement.

Wer profitiert?

Betriebliches Mobilitätsmanagement zahlt sich aus
Beschäftigte, die gemeinsam, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit kommen, können Geld und Zeit sparen. Bei der Fahrt mit dem Fahrrad tun sie auch Gutes für ihre Gesundheit: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) reichen bereits 30 Minuten moderate körperliche Bewegung an fünf Tagen pro Woche aus, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes um 50 Prozent zu verringern. Ähnliche Effekte sind belegt für die Risiken, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an einer Depression zu erkranken. Auch die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit Fußwegen verknüpft und sorgt so für Bewegung.

Betriebe, die ihre Beschäftigten beim Umstieg vom Pkw unterstützen, können ebenfalls profitieren, vor allem durch einen geringeren Parkraumbedarf. Mit Mobilitätsmanagement zeigen Unternehmen aber auch, dass sie die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen und sich für ihr Wohlergehen einsetzen: ein entscheidender Vorsprung im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.
 

Wer profitiert: Die Vorteile auf einen Blick


Beschäftigte

  • sparen Kraftstoffkosten, 
  • profitieren von positiven Gesundheitseffekten durch weniger Stress und mehr Bewegung,
  • können sich bei gemeinsamen Fahrten mit den Kollegen austauschen und entspannen,
  • kommen in vielen Fällen schneller an ihr Ziel,
  • profitieren von attraktiven Mitarbeiterangeboten, zum Beispiel einem hochwertigen Dienstrad, das auch privat genutzt werden darf oder von einem Jobticket, mit dem sie abends oder am Wochenende weitere Personen kostenlos mitnehmen können.


Unternehmen

  • sparen Kosten für Parkraum und können diesen werthaltiger nutzen,
  • senken den Krankenstand in der Belegschaft,
  • verringern die Zahl der Wegeunfälle im Pkw-Verkehr,
  • steigern die Zufriedenheit ihrer Beschäftigten,
  • fördern den Kontakt und Austausch ihrer Beschäftigen auf dem Weg zur Arbeit
  • stärken ihre Attraktivität als Arbeitgeber,
  • verbessern die Erreichbarkeit des Standortes,
  • verbessern ihre CO2-Bilanz.

Weg zum Ziel

In vier Schritten zum Ziel
Betriebliches Mobilitätsmanagement zielt darauf ab, die Verkehrsmittelwahl der Beschäftigten zu beeinflussen. Dies erfordert ein systematisches Vorgehen. Es gibt Maßnahmen, die fast immer einen großen positiven Effekt haben – beispielsweise attraktive Jobticket-Angebote. Andere Optionen zeigen sich erst bei genauem Hinsehen. Für Unternehmen, die das volle Potenzial von Mobilitätsmanagement ausschöpfen wollen, empfiehlt es sich daher, zumindest in der Startphase die Unterstützung eines professionellen Mobilitätsmanagement-Beraters in Anspruch zu nehmen.

Mobilitätsmanagement lässt sich zum Beispiel in vier Schritten erfolgreich umsetzen:

Schritt 1: Die Ausgangslage analysieren
Damit die Maßnahmen zum Standort und den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passen, bedarf es zunächst einer umfassenden Analyse. Hierzu gehören vor allem eine gründliche Untersuchung der verkehrlichen Rahmenbedingungen und Angebote am Standort und eine Befragung der Beschäftigten. Eine Analyse der Wohnstandorte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann genaueren Aufschluss über ihre Wege geben. Ziel ist es, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Nur so können klare Aussagen über die Mobilitätsgewohnheiten und -bedürfnisse der Beschäftigten und über die Möglichkeiten am Betriebsstandort getroffen werden. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen:

  • Wie groß ist die Entfernung zwischen dem Wohnort der Beschäftigten und ihrem Arbeitsplatz und welche Verkehrsmittel nutzen sie, um diese zu bewältigen?
  • Wie lange dauern die täglichen Fahrten?
  • Wie gut ist der Unternehmensstandorts an den öffentlichen Nahverkehr angebunden? Wie weit sind die nächsten Haltepunkte entfernt und wie regelmäßig werden sie bedient?
  • Warum nehmen viele Beschäftigten den Pkw für den Weg zur Arbeit? Nutzen sie das Auto auf ihrem Arbeitsweg auch zu anderen Zwecken wie Einkauf oder Kindertransport?
  • Gibt es Regelungen zur Verkehrsmittelwahl bei Dienstreisen?
  • Setzt das Unternehmen bereits Instrumente wie Umwelt- und Qualitätsmanagement ein, an die sich beim Mobilitätsmanagement möglicherweise sinnvoll anknüpfen lässt?


Schritt 2: Geeignete Maßnahmen entwickeln
Auf Grundlage der erhobenen Daten erhält das Unternehmen ein systematisches Bild vom Mobilitätsverhalten seiner Beschäftigten und kann erkennen, an welchen Punkten und in welche Richtung Veränderungen möglich sind. Der Wohnort der Beschäftigten, die Topografie und das Radwegenetz zeigen etwa, wie erfolgreich Maßnahmen zur Förderung der Fahrradnutzung sein können. So könnte es sinnvoll sein, bei längeren Wegen oder starken Steigungen den Fokus eher auf E-Bikes oder Pedelecs zu legen. So individuell wie die Unternehmen, sind die Maßnahmen.

Schritt 3: Maßnahmen umsetzen
Nach der Planung geht es an die Umsetzung. Spätestens jetzt müssen auch Zuständigkeiten und Ressourcen geklärt sein. Mobilitätsmanagement braucht „Kümmerer“: Unternehmen müssen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter bestimmen, die sich dauerhaft mit dem Thema Mobilität befassen und die auch nach der Maßnahmenplanung an der Umsetzung, Evaluation und Weiterentwicklung festhalten.

Der Investitionsbedarf für die Umsetzung hält sich in der Regel in Grenzen, liegt doch der Schwerpunkt des Mobilitätsmanagements bei „weichen“ Maßnahmen: Koordination, Kommunikation und Service. So gilt es nun beispielsweise, sich mit Kommunen und Verkehrsunternehmen und -verbünden zusammen zu setzen, um die Fahrpläne im öffentlichen Verkehr und die Schichtzeiten im Betrieb besser in Einklang zu bringen. Andere Maßnahmen können sogar unmittelbar zu einer finanziellen Entlastung führen – wie das Leasing von Dienstfahrrädern für Beschäftigte, bei dem Lohnnebenkosten gespart werden können.

Wichtig ist auch die Kommunikation nach innen. Die Beschäftigten sollten regelmäßig über Angebote im Bereich Mobilität informiert, auf dem Weg zu einer effizienteren Mobilität mitgenommen und zur aktiven Beteiligung motiviert werden. Bewährte Instrumente sind Mobilitäts-Aktionstage oder Mobilitäts-Wettbewerbe. So kann Mobilitätsmanagement erfolgreich verankert werden.

Schritt 4: Wirkungen messen und Erfolge kommunizieren
Wie haben die Beschäftigten auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert? Wie viele sind auf alternative Verkehrsmittel umgestiegen? Oder sind womöglich neue Probleme entstanden? Mithilfe einer Evaluation kann ein Unternehmen feststellen, ob es die gesteckten Ziele erreicht hat und welche Nachbesserungen nötig sind.

Genauso wichtig wie die Überprüfung der Ergebnisse ist deren Kommunikation, insbesondere wenn ein Betrieb konkrete Erfolge verbuchen kann. Am wichtigsten ist dabei der Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nur wenn ein Betrieb sie kontinuierlich einbindet, können sie den Prozess aktiv mitgestalten und dahinter stehen. Dem Thema Mobilität gebührt daher ein angemessener Platz im Intranet oder in anderen Medien der internen Kommunikation.

Fortschritte und Erfolge im Mobilitätsmanagement bieten auch gute Anlässe für die Pressearbeit und den öffentlichen Auftritt. Nicht zuletzt ist das Thema prädestiniert für den Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens.

Praxisbeispiele

Attraktive Jobticketangebote: Jobtickets sind vergünstigte Jahreskarten für den öffentlichen Nahverkehr. Die Beschäftigten profitieren von Großkundenrabatten, die ihre Firma erhält. Manche Betriebe übernehmen auch einen Anteil der Ticketkosten, vereinbaren eine große Reichweite oder eine Mitnahmemöglichkeit für weitere Personen. Die Jobtickets sind dann nicht nur für den Arbeitsweg, sondern auch für Freizeitausflüge mit der Familie attraktiv. Übrigens: Der ACE vermittelt Jobtickets an Unternehmen in Stuttgart und Hamburg. Mehr Informationen zu Jobtickets gibt es beim ACE sowie in unserem Infoblatt Jobticket.

Intelligente Mitfahrbörsen: Moderne Mitfahrbörsen funktionieren in Echtzeit und lassen sich komfortabel über mobile Endgeräte wie das Smartphone steuern. Damit ist es etwa möglich, binnen Minuten eine neue Mitfahrgelegenheit zu finden.

Mobilitätsgarantie: Eine spontane Besprechung steht an oder eine wichtige Aufgabe muss fertiggestellt werden? Beschäftigte, die auf Mitfahrgelegenheiten umsteigen, sorgen sich mitunter, ob sie auch in solchen Fällen nach Hause kommen. Sicherheit schafft die Mobilitätsgarantie. Wenn Beschäftige ihre Mitfahrgelegenheit verpassen, können sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder sogar ein Taxi nehmen – auf Kosten des Arbeitgebers.  In der Praxis nimmt die Belegschaft diese Garantie nur selten in Anspruch. Dennoch hat die Maßnahme einen großen Wert.

Hochwertige Dienstfahrräder: Diensträder sind vielseitig einsetzbar. Sie können für den Weg zur Arbeit genauso genutzt werden wie für Fahrten in der Freizeit. Die Räder werden über den Arbeitgeber bezogen und oftmals über monatliche Leasingbeträge finanziert. Durch steuerliche Vorteile sparen sie Beschäftigten gegenüber dem Privatkauf und profitieren zudem von Diebstahlversicherung und Wartungsservice.

Duschen, Umkleidemöglichkeiten und Trockenschränke für Radfahrer: Wer das Rad für den Weg zur Arbeit nimmt, kommt wach und fit ins Unternehmen, ist aber dem Wetter ausgesetzt. Umkleidemöglichkeiten und Duschen ermöglichen es Radlern, ihre Funktions- und Regenkleidung problemlos gegen ihre Arbeitsbekleidung zu tauschen. In belüfteten Schränken kann ihre Kleidung dann bis zur Heimfahrt am Abend trocknen.