Viel Bewegung auf dem Markt für Carsharing

Die einen hören auf, die anderen passen ihr Angebot an, wiederum andere steigen mit neuen Strategien ein. In den letzten Monaten hat sich viel auf dem deutschen und internationalen Carsharing-Markt getan.

„Carsharing boomt“ – seit Jahren ist das von Beobachtern zu hören. Tatsächlich hat sich die Anzahl gemeinsam genutzter Autos in den letzten Jahren stetig erhöht: 2015 gab es über 15.000 Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland sowie mehr als eine Million eingetragene Fahrerinnen und Fahrer. Neueste Entwicklungen zeigen allerdings, dass der Trend nicht nur nach oben zeigt.

Kleinere Carsharing-Anbieter vor dem Aus

Voraussichtlich ziehen sich zwei Anbieter aus dem umkämpften Carsharing-Markt in Deutschland zurück: Das von VW in Hannover und Braunschweig betriebene Angebot Quicar  endet zum 1. April 2016, Fahrzeuge und Parkplätze werden zum Teil vom niederländischen Anbieter Greenwheels übernommen, an dem VW Anteile hält. Weiterhin hat CiteeCar Deutschland – wie Quicar im stationsbasierten Carsharing tätig – im Dezember 2015 Insolvenz angemeldet. Wenn sich nicht zeitnah ein Investor für die Flotte von 500 Fahrzeugen in Berlin, München, Hamburg und Frankfurt findet, könnte CiteeCar in Kürze vom deutschen Markt verschwinden.

Größere Anbieter passen ihr Angebot an

Bei größeren Anbietern von Carsharing sind ebenfalls Veränderungen zu beobachten: Im Laufe des Jahres 2015 verkleinerte Car2Go sein Geschäftsgebiet in Berlin. Kunden können die Fahrzeuge des Freefloating-Anbieters, hinter dem Daimler und Europcar stehen, nicht mehr in Randgebieten wie Spandau und Zehlendorf mieten, da die dortigen Ausleihzahlen zu gering waren. Einen drastischen Schritt verkündete Flinkster, der stationäre Carsharing-Anbieter der Deutschen Bahn. Aus wirtschaftlichen Gründen beendet das Unternehmen in Kürze seine Aktivitäten in Wien.  

Neues Modell: exklusives Carsharing im kleinen Kreis

Schließlich entwickeln die Autokonzerne aktuell eine neue Form des privaten Carsharings. Sowohl Audi als auch Ford bieten ihren Kunden an, gemeinsam mit Freunden, Kollegen oder Nachbarn einen Neuwagen zu leasen und diesen über eine Onlineplattform zu verwalten. Während das Angebot von Ford vorerst nur an Kunden im US-Bundesstaat Texas gerichtet ist, bietet Audi seine Sharing-Programme auch in Europa an. Bisher wurde privates Carsharing über Plattformen wie Drivy und Tamycar organisiert. Dort findet es im größeren Kreis und mit einem bunten Mix hauptsächlich gebrauchter Fahrzeuge statt. Die Angebote von Audi und Ford sind exklusiver: Sie zielen auf kleine Gruppen und neue Fahrzeuge eines bestimmten Herstellers.

Wirtschaftlichkeit rückt ins Zentrum

Die Veränderungen des Carsharing-Marktes zeigen, dass die Anbieter offensichtlich verstärkt auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Angebote achten. Während in der Anfangsphase viel investiert wurde, werden Standorte nun bei geringen Nutzungszahlen verkleinert oder aufgegeben. Dennoch könnte Carsharing in vielen Fällen weiterhin ein Minusgeschäft sein, da die Ausleihgebühren gering, Erneuerung und Unterhalt der Flotten aber teuer sind. Sollte das Carsharing von Neufahrzeugen auf größere Nachfrage stoßen, könnte hiermit vermutlich leichter Geld verdient werden – ob wie beim klassischen Carsharing auch Umwelt und Verkehr profitieren, ist allerdings fraglich.