Sharingmarkt: Wechselhafte Entwicklung

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Im Sharingmarkt geht es auf und ab: In vielen Städten gibt es jetzt E-Scooter-Angebote, die Nutzerzahlen sind aber überschaubar. In anderen Bereichen ziehen sich Anbieter zurück oder gründen Mobilitätsplattformen, um Angebote zu verknüpfen und Buchungen zu vereinfachen.


Seit Sommer 2019 ist der Sharingmarkt in Deutschland um einen großen Bereich gewachsen: Die E-Scooter. Sie beherrschten nicht nur monatelang die mediale Diskussion, sondern stehen seither in immer mehr Städten zum Ausleihen bereit – beispielsweise in Berlin, München, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Münster und Dortmund.


Erste Auswertungen zu E-Scootern liegen vor


In der Hauptstadt gibt es bereits 15.000 Stück, das sind mehr als Carsharingfahrzeuge in ganz Deutschland. Die ersten Auswertungen fallen allerdings verhalten aus: Der Großteil der Nutzer sind Touristen, es werden mehr Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln als mit dem Auto ersetzt, und die einzelnen Roller werden zumindest in Berlin laut einer Studie von civity Management Consultants im Durchschnitt nicht häufiger als dreimal am Tag genutzt. Die erhofften Entlastungseffekte für Verkehr und Umwelt sind damit noch nicht eingetreten. Dennoch haben sich bei den E-Scootern bisher keine Anbieter zurückgezogen oder sind pleite gegangen, was an großzügigen Investorengeldern und den vergleichsweise hohen Ausleihgebühren liegen könnte.


Großer Anbieter von Straßenrollern stellt Geschäft ein


Während die kleinen Roller inzwischen das Bild vieler Städte prägen, gibt es seit kurzem weniger große Elektroroller zum Ausleihen. Anbieter Coup hat sein Angebot an Straßenrollern in Berlin, Tübingen, Paris und Madrid zu Ende des letzten Jahres eingestellt. Das Unternehmen gehört Bosch, war 2016 gestartet und verfügt insgesamt über 6.000 Roller. Coup begründet seinen Rückzug mit hohen Kosten bei der Betreuung von Rollern und Kunden sowie der starken Konkurrenz im Sharingmarkt. Von Bedeutung könnte ebenfalls sein, dass sich immer mehr Privatpersonen einen elektrischen Straßenroller kaufen. Die Fahrzeuge sind bereits ab 1.000 Euro zu haben und sehr günstig im Unterhalt.


Carsharing kämpft mit hohen Kosten – dennoch neue Angebote


Im Carsharingmarkt geht es schon länger nicht mehr nur aufwärts. Verschiedene Anbieter haben sich in der Vergangenheit zurückgezogen oder sind fusioniert – so sind etwa BMW und Daimler vor kurzem zu Share Now fusioniert und werden in den nächsten Monaten ihr Angebot in Nordamerika, London, Brüssel und Florenz einstellen. Mazda wiederum hat angekündigt, sich aus dem Carhsaringmarkt in Deutschland zurückzuziehen. Gemeinsam mit Lidl und Deutscher Bahn hatte das Unternehmen 850 stationäre Carsharingfahrzeuge im Angebot – und das erst seit 2018. VW hingegen expandiert. Seit 2019 sind sie mit 1.500 E-Golfs in Berlin aktiv und wollen das Angebot 2020 auf Hamburg ausweiten. Das Auf und Ab beim Carsharing hat ähnliche Gründe wie die Entwicklung in anderen Sharingbereichen: Geringe Auslastung der Fahrzeuge und hohe Servicekosten machen es den Anbietern wirtschaftlich schwer. Auf der anderen Seite finanzieren oft große Geldgeber Markteintritt und Fortbestehen, da sie auf einen wichtigen Zukunftsmarkt, wertvolle Daten und Werbeeffekte hoffen.


Verschiedene Sharingdienste aus einer Hand


Neben der Ausdifferenzierung und zum Teil auch Konsolidierung des Sharingmarktes ist noch ein weiterer Trend zu beobachten: Die Anbieter versuchen, verschiedene Angebote zu bündeln und aus einer Hand anzubieten. Bei Reach Now können Kunden neben dem Carsharing von BMW und Daimler auch Taxis rufen, Fahrräder und E-Roller mieten sowie Tickets für öffentliche Verkehrsmittel buchen. Der Fahrdienstvermittler Uber bietet in Deutschland inzwischen auch Sharing-Pedelecs und E-Scooter an, beides über seine Tochtergesellschaft Jump. Sixtshare wiederum verbindet Kurzzeit- und Langzeitmiete von Fahrzeugen unterschiedlicher Größe und vermittelt bei Bedarf auch Fahrer. Die Plattformlösungen vereinfachen die Nutzung für die Kunden und könnten für mehr Sichtbarkeit, bessere Verknüpfung und stärkere Nachfrage der Einzelangebote führen. Ob dies jedoch reicht, um schwarze Zahlen zu schreiben, bleibt abzuwarten.


Weiterführende Informationen

 

E-Scooter-Studie, u.a. zu Nutzungszahlen: „E-Scooter in Deutschland. Ein datenbasierter Debattenbeitrag“, civity

Unfallzahlen von E-Scootern: „E-Tretroller. Ein gefährlicher Spaß“, Zeit online