Mobilitätsbudgets im Aufwind?

Tickets und Geld auf einem Tisch

Der Markt für Mobilitätsbudgets wächst. Inzwischen gibt es immer mehr Dienstleister, die Unternehmen unterstützen, budgetbasierter Ansätze für die freie Wahl von Mobilitätsleistungen einzuführen. Die angebotenen Modelle weichen zum Teil deutlich voneinander ab. Außerdem ist unklar, wie groß die Nachfrage auf Kundenseite tatsächlich ist.


Will ein Unternehmen es seinen Mitarbeitern ermöglichen, möglichst komfortabel und effizient mobil zu sein, gibt es verschiedene Optionen. Diese reichen vom klassischen Firmenwagen über Poolfahrzeuge bis hin zu Jobtickets, Bahncards und Diensträdern. Es ist allerdings meistens nicht genug, nur eine der genannten Optionen einzuführen, da sich die Mobilitätsbedürfnisse und -gewohnheiten der Beschäftigten voneinander unterscheiden. Während die einen das Autofahren schätzen bzw. darauf angewiesen sind, bevorzugen andere die Bahn oder das Fahrrad. Auch bei den einzelnen Beschäftigten kann das Mobilitätsverhalten variieren, abhängig von Faktoren wie Zeitpunkt und Ziel einer Fahrt. Sie nutzen dann beispielsweise das Auto für den Arbeitsweg, für die Fahrt zum Geschäftstermin in die nächste Großstadt würden sie aber die Bahn vorziehen.

 

Freie Wahl von Mobilitätsleistungen

 

Mobilitätsbudgets sind ein relativ junger und vielversprechender Ansatz, der den Beschäftigten die Wahl lässt, welches Verkehrsmittel und welche Mobilitätsleistung sie nutzen wollen. Sie haben einen fixen monatlichen Betrag zur Verfügung und können diesen frei einsetzen: Sei es für einen großen Dienstwagen, einen kleinen Dienstwagen und eine Bahncard 100, einen Jobticketzuschuss in Kombination mit einem Dienstrad oder für Taxi-, Mietwagen- und Carsharingfahrten. Zum Teil ist es sogar möglich, Restbeträge ausgezahlt zu bekommen oder sie für private Zwecke auszugeben.

 

Noch geringe Verbreitung

 

Bisher fristeten Mobilitätsbudgets in Deutschland allerdings ein Nischendasein. Es gab vereinzelte Firmen, die sie ihren Mitarbeitern anboten – beispielsweise das Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo oder das Beratungsunternehmen A.T. Kearney – und einzelne Dienstleister, die bei der Einführung halfen. Dies lag unter anderem an der komplizierten Realisierung der Budgets im Unternehmen und ihrer geringen Bekanntheit.

 

Zahl von Anbietern steigt

 

Zuletzt ist deutlich Bewegung in den Markt um die Mobilitätsbudgets gekommen. Inzwischen bieten mehrere Dienstleister eigene Budget-Modell an. Darunter ist der Autoverleiher Sixt, der „Mobility as a Service“ seit August 2017 im Angebot hat, das Leasingunternehmen Athlon mit „My Benefit Kit“, das ebenfalls 2017 startete sowie der Hamburger Fahrzeugvermittler Belmoto, der seit März 2018 mit der „belmoto mobility card“ wirbt. Das Budgetangebot von Sixt ist vergleichsweise eingeschränkt und bezieht lediglich einen Carsharinganbieter sowie die Mietwagen und den Fahrservice von Sixt ein. Bei Athlon können die Beschäftigten nicht nur zwischen Autos wählen, sondern auch Diensträder und Jobtickets über ihr Budget beziehen oder sich für Leistungen wie Kitazuschüsse entscheiden, die außerhalb des Bereichs Mobilität liegen. Eine Besonderheit ist hier, dass das Budget über Gehaltsumwandlung finanziert wird und damit von den Beschäftigten und nicht von den Arbeitgebern getragen wird. Belmoto wiederum bietet eine Prepaid-Kreditkarte an, auf welche das jeweils vereinbarte Budget übertragen wird und die dann breit für Mobilitätleistungen wie Leasing- und Leihfahrzeuge, Bahncards, Tickets und Fahrräder einsetzbar ist.

 

Schwierige Prognose

 

Während das Angebot an Modellen und Dienstleistern für Mobilitätsbudgets damit steigt, was sich auch in mehreren Medienberichten zum Thema widerspiegelt, ist unklar, wie es um die Nutzung bzw. Nachfrageseite aussieht.  Umfragen zeigen, dass insbesondere Fuhrparkmanager den multimodalen Budgetmodellen skeptisch gegenüberstehen und viele Firmenvertreter die Budgets zwar interessant finden, aber nicht an den bestehenden Dienstwagen- und Reiserichtlinien rütteln wollen. Entsprechend machen die neuen Anbieter viel Werbung und berichten von Unternehmenskontakten, allerdings nicht von tatsächlichen Abschlüssen. Ein möglicher Treiber für das Thema könnte die gute Arbeitsmarktlage sein. Personaler suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern und setzen dabei auch zunehmend auf attraktiven Benefits aus dem Bereich Mobilität. Es bleibt also abzuwarten, ob und wie sich die neuen Modelle in der Praxis durchsetzen. Entscheidend wird dabei auch sein, wie groß der Aufwand ist, um sie im Unternehmensalltag umzusetzen.