Listnride - Privates Bikesharing für Fahrradliebhaber

Dass Privatleute ihr Auto an andere vermieten ist längst bekannt. Doch funktioniert das Konzept auch bei Fahrrädern? Das Startup listnride wagt den Versuch und bringt Fahrradliebhaber auf einer Plattform zusammen.


Viele Regionen Deutschlands lassen sich besonders gut mit dem Fahrrad erkunden. Doch nicht immer passt das geliebte Zweirad in den Kofferraum, geschweige denn in die Bahn. Ein Großteil leiht sich deshalb ein Rad im Hotel, beim nächsten Fahrradhändler oder an einer Bikesharing-Station aus. In der Großstadt, wo verschiedenste Sharing-Anbieter um die Gunst der Bewohner und Touristen buhlen, ist die Auswahl riesig. Doch gibt sich der Fahrradliebhaber mit einem gewöhnlichen Next- oder Mobike zufrieden? Hier setzt der Anbieter listnride an. Das Startup möchte das Prinzip des privat geteilten Autos auf das Fahrrad übertragen. Heißt in der Praxis: Privatleute und Fahrradhändler können sich online registrieren und ihr Rad mit einer Beschreibung, Fotos, Preisangabe und Abholort einstellen. Nutzer, die wiederum ein Fahrrad benötigen, können auf der Website gezielt nach einem Ort und einem Radtyp suchen und es für einen oder mehrere Tage ausleihen.

 

Preis und Abholort: der Lister entscheidet

 

Da es für stolze Radbesitzer nicht einfach ist, das eigene und hochwertige Bike an fremde Personen zu vermieten, verifiziert listnride nach eigenen Angaben die Personen, die sich ein Rad leihen möchten, sogenannte Rider. Darüber hinaus können die Nutzer den jeweiligen Verleihvorgang bewerten. Den Preis legt der Verleiher, der Lister, selbst fest. Davon erhält listnride eine Provision in Höhe von 7,5 Prozent. Genauso entscheidet der Lister darüber, ob er das Fahrrad zuhause oder an einem bestimmten Treffpunkt übergibt.

 

Ein Blick in die AGBs lohnt sich

 

Sollte das Rad während des Ausleihvorgangs beschädigt werden und beispielsweise einen Platten haben, trägt der Rider die alleinige Verantwortung und die damit verbundenen (Reparatur-)Kosten. Lediglich im Falle eines Diebstahls während des Verleihzeitraums (ausgeschlossen nachts zwischen 22 und 6 Uhr) greift eine Garantie mit einem maximalen Auszahlungsbetrag von 5.500 Euro pro Fahrrad. Bei einer Beschädigung erstattet das Startup die Reparaturkosten.

 

Ein Lastenrad in der Maxvorstadt – kein Problem; ein Cityrad in Fulda – Fehlanzeige!

 

Wagen wir einen Versuch: Angenommen ich befinde mich in Berlin in der Nähe vom Hauptbahnhof und suche ein Cityrad. Vom Mifa-Alufaltrad für 7 Euro bis zum Biomega Boston Designerrad für 90 Euro pro Tag ist alles dabei. Dass sich die Verleiher teils mehrere Kilometer entfernt befinden, ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Ein neuer Versuch: München in der Nähe vom Englischen Garten. Hier gibt es Falträder für 15 Euro, Tandems für 45 Euro oder Lastenräder ab 40 Euro pro Tag. Aber leider gibt es auch Städte, in denen keine Fahrräder von Privatpersonen verfügbar sind, zum Beispiel Fulda, Bernkastel Kues, Nordhausen oder Ulm. Laut Website gehören Berlin, München, Wien und Amsterdam zu den beliebtesten listnride-Städten. Kein Wunder, denn gerade in den Metropolen ist die Affinität zum Teilen besonders hoch. Nur herrscht gerade dort ein deutliches Überangebot an Sharing-Lösungen.


Fazit: Das Angebot ist in Deutschland – mit Ausnahme der Großstädte noch recht überschaubar. Ebenso liegt der Preis bei einigen Rädern weit über dem durchschnittlichen Marktwert. Fahrradliebhaber können mit ein wenig Geduld bei der Suche aber durchaus auf ihre Kosten kommen. Wer ein günstiges Fortbewegungsmittel ohne viel Aufwand sucht, ist mit herkömmlichen Bikesharing-Anbietern (zumindest in der Großstadt) besser dran.