Fahrgemeinschaften – antiquiert oder zeitgemäßer denn je?

© Heiner Witthake – Fotolia.com

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Ein Auto teilen statt allein zu fahren – die Idee der Fahrgemeinschaft ist keineswegs neu und gerade auf längeren Strecken beliebt. Portale wie BlaBlaCar oder BesserMitfahren machen die Suche nach einem Fahrer oder Mitfahrenden kinderleicht. Günstiger als die Bahn oder die Alleinfahrt mit dem Pkw ist es allemal – und oft auch kommunikativer.
 

Ähnlich verhält es sich auf dem Arbeitsweg. Wer die täglichen Strecken gemeinsam mit anderen in einem Auto zurücklegt, fährt entspannter und spart Geld. Sind mehrere Personen gemeinsam im Pkw unterwegs, ist der Fahrer außerdem aufmerksamer und hält sich öfter an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Trotz dieser Vorteile stehen nur wenige Pendler einer Fahrgemeinschaft offen gegenüber. Insbesondere diejenigen, die nach der Arbeit die Kinder abholen müssen oder zum Sport wollen, brauchen Flexibilität. Da passt es nicht, punkt 17 Uhr vor der Unternehmenspforte zu stehen und in das Auto des Kollegen zu steigen.

 

Impulsregion Erfurt-Jena-Weimar setzt auf Pendlernetzwerk

 

Doch genauso können Fahrgemeinschaften dort eine Lücke schließen, wo der öffentliche Personennahverkehr schlecht ausgebaut oder der Arbeitsweg überdurchschnittlich lang ist. Die Impulsregion Erfurt-Jena-Weimar-Weimarer Land hat vor kurzem ein Pendlernetzwerk auf der Vereinsseite integriert. Hier können Beschäftigte aus der Region – ganz ohne Registrierung – gezielt nach Mitfahrgelegenheiten suchen oder selbst Fahrten anbieten. Die Suche greift auf das Pendlernetzwerk BesserMitfahren zurück und ist kostenfrei. So könnten zumindest einige der 68.000 Personen, die täglich in die Impulsregion pendeln, eine passende Fahrgemeinschaft finden.

 

Stadt Heidelberg kooperiert mit Match Rider

 

Auf eine Zusammenarbeit mit einem Fahrgemeinschaftsanbieter setzt auch die Stadt Heidelberg. Seit Herbst des vergangenen Jahres können Pendler auf der Strecke zwischen Heidelberg und Wiesenbach / Neckargemünd  / Neckarsteinach  über die App MatchRiderGo verbindlich eine Fahrgemeinschaft finden. Das Start up hinter der Anwendung arbeitet mit festen Strecken. Pendler, die beispielsweise täglich zwischen Heidelberg und Neckarsteinach unterwegs sind, können sich als Fahrer registrieren. Sie sorgen für ein stetiges Fahrtangebot. Auf der anderen Seite können Mitfahrer über die App eine dieser Fahrten buchen. Pro zurück gelegtem Kilometer kostet das 15 Cent. Der Fahrer erhält zehn Cent pro Kilometer. Anstatt einen Abholort zu vereinbaren, treffen sich Fahrer und Mitfahrer an einem der verfügbaren Ein- bzw. Ausstiegspunkte. Das spart Zeit und verringert den Abstimmungsaufwand.

 

Zahlreiche Betriebe fördern Bildung von Fahrgemeinschaften

 

Auch einzelne Unternehmen wie Vaude haben erkannt, dass sich durch Fahrgemeinschaften der Pkw-Verkehr am Betriebsstandort verringern lässt. Um die Idee des geteilten Autos zu fördern, kooperieren sie mit Anbietern wie TwoGo oder flinc. Der Vorteil der Unternehmenslösung: Die Arbeits- und Schichtzeiten der Mitarbeiter sind bestenfalls ähnlich. Zudem fühlen sich einige Beschäftigte sicherer, wenn sie wissen, dass ein Kollege anstatt eines Fremden zu ihnen ins Auto steigt. Auf ein weiterentwickeltes Fahrgemeinschaftskonzept setzt Zalando in Kooperation mit Regio Mobil am Standort Erfurt: Hier können die Mitarbeiter zu günstigen Konditionen einen Kleinbus mieten und diesen für eine Fahrgemeinschaft nutzen.


Damit Pendler schnell und zuverlässig einen Mitfahrer finden, kooperiert auch der ACE Auto Club Europa mit BlaBlaCar. Über die neue ACE-App können sich Nutzer direkt mit der Plattform verbinden.

 

„Neue Entwicklungen in der Fahrgemeinschaftsförderung“: Workshop am 8. Mai in Berlin

 

Die Beispiele zeigen, dass sich Fahrgemeinschaftskonzepte in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Die Zahl der Anbieter und der technischen Möglichkeiten steigt. Dank Apps ist das sogenannte Matching von Pendlern so unkompliziert wie nie. Dennoch müssen Angebote gerade in Unternehmen laufend kommuniziert und individuell an den Beschäftigten herangetragen werden. Wie das klappt und welche Fahrgemeinschaftslösungen es gibt, erörtern Mobilitätsexperten und -anbieter übrigens am 8. Mai 2018 in Berlin während der Fachkonferenz „Mobilitätsmanagement zwischen politischem Willen und betrieblichen Interessen“ in einem Workshop.