Carsharing: Immer mehr Angebote, immer mehr Entlastung?

Carhsaringauto auf einem Parkplatz

© Bundesverband CarSharing e.V.

Seit Anfang des Jahres hat sich viel auf dem deutschen Carsharingmarkt getan. Daimler und BMW haben sich zusammengeschlossen, Sixt und VW sind mit neuen Angeboten gestartet. Die Umweltbilanz vieler Angebote steht allerdings mehr denn je in Frage.

 

Langsam wird es eng in der Berliner Innenstadt. Inzwischen sind dort über 5.000 Carsharing-Fahrzeuge unterwegs. BMW und Daimler, die sich Anfang des Jahres zu Share Now zusammengeschlossen haben, betreiben bereits seit längerem 2600 Car2Go und DriveNow Fahrzeuge in der Hauptstadt. Binnen kurzer Zeit sind nun zahlreiche weitere Carsharing-Autos hinzugekommen.

 

Zahlreiche neue Carsharing-Angebote gestartet

 

Der Autovermieter Sixt, langjähriger Partner bei Drive Now, hat seine Anteile im Vorjahr an BMW verkauft und ist seit Februar 2019 mit 1.000 eigenen Carsharing-Fahrzeugen im Innenstadtring von Berlin vertreten. Das Angebot firmiert unter dem Namen Sixt Share. Hinzu kommen noch VW, die seit Juni 1.500 E-Golfs im Berliner Ring vermieten sowie weitere kleine Angebote, die ebenfalls neu sind. Gemein ist den genannten Angeboten allesamt, dass es sich um das sogenannte Free-Floating-Carsharing handelt. Die Fahrzeuge stehen frei verteilt im Geschäftsgebiet und können nach der Ausleihe auch wieder beliebig auf öffentlichen Parkplätzen im Geschäftsgebiet abgestellt werden. Die Abrechnung erfolgt in der Regel nach einem festen Minutenpreis.

 

Mehr E-Autos und größere Vielfalt an Fahrzeugtypen

 

Neu beim Angebot von VW ist, dass der Autobauer ausschließlich auf Elektrofahrzeuge setzt. Alle anderen Anbieter in Berlin nutzen hauptsächlich Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben. Für VW ist es der zweite Anlauf im Carsharing. Mit Quicar betrieben sie mehrere Jahre ein kleineres Carhsaring-Angebot in Hannover, stellten dies 2016 aber wieder ein. Bei Sixt kommt als Besonderheit hinzu, dass Kunden die Fahrzeuge auch mehrere Tage lang ausleihen und gegen eine kleine Gebühr an Sixt-Stationen außerhalb von Berlin abgeben können. Der Anbieter versucht damit, das Carsharing- und Mietwagen-Geschäft zusammenzuführen. Sixt hat deshalb auch verschiedene Fahrzeuggrößen im Einsatz, die vom kompakten Stadtauto bis zum familientauglichen Kombi reichen.

 

Innenstadt überversorgt – Randbezirke unterversorgt

 

Das Wachstum des Free-Floating-Carsharings in Berlin wird von Politik und Fachöffentlichkeit mit gemischten Gefühlen beobachtet. So gibt es im Innenstadtbereich inzwischen ein sehr großes Angebot an ausleihbaren Fahrzeugen, obwohl die Alternativen wie Nahverkehr, Fahrrad, Bike- und Rollersharing gut ausgebaut sind, die Nutzer meist nur Kurzstrecken zurücklegen und der Platz begrenzt ist. Die Stadtverwaltung und auch Verkehrsexperten sähen die neuen Carsharing-Autos daher lieber in den Außenbezirken, wo die Wege weiter sind und das Angebot des Nahverkehrs nicht so attraktiv ist.

 

Neue Studie: Geringe Entlastungeffekte bei Free Floating Carsharing

 

Auch zeigt eine neue Vergleichsstudie des Bundesverband CarSharing e.V. , dass Freefloating Carsharing kaum entlastende Wirkung auf den Verkehr hat. Viele Nutzer von Free Floating Angeboten haben demnach ein privates Fahrzeug und schaffen es trotz ihrer Carsharing-Mitgliedschaft nicht ab. Der Bestand an privaten Fahrzeugen verringert sich der Studie zufolge unter Free-Floating-Kunden nur um 5 Prozent, beim stationsbasierten Carsharing sind es hingegen 66 Prozent.

 

E-Fahrzeuge bringen wenig Verbesserung

 

Die Umweltbilanz des Free-Floating Carsharings ist damit nicht nur grundsätzlich problematisch, auch der Einsatz von Elektrofahrzeugen kann sie nur begrenzt verbessern. So wiegt der E-Golf beispielsweise über 1,6 Tonnen und führt knapp 350 Kilogramm Batterien mit, deren Herstellung viel Energie kostet. Hinzu kommen regelmäßige Servicefahrten von Mitarbeitern der Carsharinganbieter zum Aufladen, Reinigen und Warten der Fahrzeuge. Ein großer Ressourcenaufwand für Kurzstreckenfahrten in der Innenstadt, die sich in vielen Fällen problemlos auch mit anderen Verkehrsmitteln und deutlich geringerem Energieverbrauch realisieren lassen.